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    1.9.2024AQ 2473
    »Entspannt wirst du nicht durch Entspannungsübungen, sondern durch die Fähigkeit, Anspannung im Körper zu fühlen.«
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    Entspannt wirst du nicht durch Entspannungsübungen, sondern durch die Fähigkeit, Anspannung im Körper zu fühlen. Da die Menschen so gestresst sind, bekommen sie jede Menge Entspannungsübungen. Das ist doppelt widersinnig. Denn als Allererstes könnte man überlegen, ob man den Stress eliminiert. Dazu müsste man sich aber fragen: Woher kommt der Stress? Warum stresst es mich? Und vor allem: Warum halte ich an Tätigkeiten und Verhaltensweisen fest, die mich stressen? Und da kommst du dann zu einer einfachen, aber gar nicht so leichten Lösung. Du machst es, weil du es so gelernt hast und um all deine Gefühle aus der Kindheit noch einmal zu erleben. Die Entspannungsübungen sind aber auch deshalb widersinnig, weil du dann zwar eine kurze Zeit entspannt bist, der Stress aber ja wieder zurückkommt. Deshalb stellt sich die Frage: Wenn du den Stress noch nicht weglassen kannst, warum lernst du dann nicht, mit ihm umzugehen? Auch das ist keine Argumentation gegen Entspannungsübungen. Du kannst sie jederzeit machen. Ich habe ja auch nichts dagegen, wenn du deine Hose trocknest. Und gleichzeitig könntest du aber auch versuchen, nicht mehr reinzupinkeln. Das klingt vielleicht wie ein lustiger Vergleich. Aber genau das ist es: Wir sind emotionale Bettnässer. Auch das ist kein Vorwurf. Das ist nur eine Möglichkeit zur Selbsterkenntnis. Diese Selbsterkenntnis fällt uns nicht leicht. Und ich kann das verstehen. Mir fällt es auch nicht leicht. Das bedeutet aber nicht, dass es uns nicht auffallen kann. Wir können es wahrnehmen. Es kann uns auffallen. Wir haben diese Möglichkeit. Wenn du eine Entspannungsübung machst, dann beruhigt sich dein System und es ist für kurze Zeit alles in Ordnung. Das ist auch super. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Du kommst dadurch nur in ein Dilemma. Denn dein normales Leben, dein sogenannter Alltag ist keine Entspannungsübung. In diesem Alltag liegt aber die Ursache für deinen Stress. Also der Grund, warum du eine Entspannungsübung brauchst. Komischerweise wollen die meisten Menschen genau dort nicht ansetzen. Sie wollen sich erst stressen und dann hinterher eine Entspannungsübung machen. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Du kannst das ja auch als Sport sehen. Jeder Leistungssportler trainiert so. Er setzt seinen Körper einem gewissen Stress aus und entspannt dann. Die Ruhephasen sind im Leistungssport genauso wichtig wie die Aktivität. So wichtig, dass es dafür allerlei Hilfsmittel gibt. Die könnte man vergleichen mit den Entspannungsübungen. Die meisten Menschen sind aber nicht gerne und vor allem nicht bewusst Leistungssportler. Sie fühlen sich entweder in diese Ecke gedrängt oder wissen gar nicht, dass es eine andere Möglichkeit gibt. Doch es gibt sie. Du musst nur radikal genug sein. Dafür braucht es eine große Bereitschaft. Radikal bedeutet nicht extrem, sondern an der Wurzel beginnen. Und die Wurzel ist dein Alltag, den du für normal, selbstverständlich oder notwendig hältst. Andere haben es dir so vorgelebt und du machst es nach. Du findest auch in der Gesellschaft keine Beispiele von Menschen, die es anders machen. Und falls du jemanden siehst, der es anders macht, wertest du ihn als Ausnahme, glücklichen Zufall und extreme oder sonderbare Erscheinung. Du kannst es dir für dich nicht vorstellen und stellst diese Menschen auf ein Podest. Der Fehler dieser Entspannungsübungen ist die Idee einer Work Life Balance. Das bedeutet, es gibt etwas, das dir gut tut und damit gleichst du das aus, was dir nicht so gut tut. Zwischen etwas, das dir gut tut, und etwas, das dir nicht gut tut, kannst du keine Balance halten. Denn immer, wenn es dir nicht gut tut, merkst du das ja. Das ist keine Balance. Das ist, wie wenn du dir mit dem Hammer ständig auf den Finger haust und dann Eis drauflegst. Das ist keine Balance. Das ist die Definition von Wahnsinn. So schnell wie es dich stresst, kannst du gar nicht ausgleichen und balancieren. Statt eine Entspannungsübung zu machen, könntest du dich einfach auf deine Körperempfindungen konzentrieren, wenn du angespannt bist. Du kannst dich dazu natürlich auch hinlegen, wenn dir das leichter fällt. Und du kannst in deinen Körper gehen und wahrnehmen, was jetzt gerade hier ist, ohne es loshaben zu wollen. Es muss nicht gehen. Du musst üben, damit zu sein. Jedes Gefühl gibt dir diese Möglichkeit. Wenn du das machst, wird sich dein Leben grundlegend verändern. Und du wirst etwas herausfinden, was du bisher verdrängt hast. Du wirst viel deutlicher fühlen, was dich anspannt und was dich nicht anspannt. Und sobald du fühlen kannst, kannst du wählen. Vorher nicht.