Geistheilen ist ultimatives Verantwortung abgeben. Das Beste, das ein Heiler bei dir erreichen kann, ist die Heilung von der Wahnvorstellung, dass dich jemand heilen kann. Das bedeutet nicht, dass du keine Hilfe in Anspruch nehmen darfst. Es bedeutet auch nicht, dass es keine Hilfen gibt. Aber es bedeutet, dass niemand außer dir für deine Heilung verantwortlich ist. Wenn dir jemand verspricht, er könne oder würde dich heilen, dann nimmt er dir deine Verantwortung. Zusätzlich nimmt er dir das Wertvollste von Krankheit. Und das Wertvollste von Krankheit ist Hingabe an die Krankheit und der Weg in die Gesundheit. Beides kannst du nicht erleben, wenn es dir jemand abnimmt. Außerdem geht die Idee von Heilung immer davon aus, dass es so, wie es jetzt ist, nicht sein sollte. Das bedeutet also, es sollte immer alles heil sein. Alle sollten sich immer wohlfühlen. Niemand sollte krank sein. Das ist im Kern die Idee eines einheitlichen, allgemeingültigen Zustandes. Als hätte das Leben von kranken Menschen keinen Wert oder als dürfte man das nicht erleben. Was sollen denn dann Menschen mit Behinderung sagen? Ist ein Leben mit Krankheit wirklich nicht mehr lebenswert? Oder könnte es sein, dass das die Kranken ganz anders sehen? Und nur die Gesunden unbedingt wollen, dass sie dringend gesund werden? Da stellt sich dann schon die Frage: Warum wollen die das? Warum halten die das nicht aus, dass jemand krank ist? Ich kann es natürlich verstehen, wenn sie mit Kranken zu tun haben und die jammern die ganze Zeit. Meine Beobachtung von Kranken ist eine andere. Ich kenne einige chronische Kranke, die noch nie gejammert haben. Ich kenne behinderte Menschen voller Lebensfreude. Ja, sie müssen sich ihr Leben natürlich anders einrichten. Sie brauchen für die meisten Dinge viel länger und manches können sie gar nicht machen. Ich habe von ihnen dazu bisher keine einzige Beschwerde gehört. Und an diesem Punkt wird es äußerst spannend. Denn das heißt nicht, dass sie niemals gesagt haben, wie es ihnen geht. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass sie sich beschweren. Und das kann bei anderen Menschen natürlich vollkommen anders ankommen. Dann hat es aber nicht mit dem Kranken zu tun, der dir erzählt, wie es ihm geht. Sondern mit dir, wie du damit umgehst und ob es dich triggert, ob es dich nervt, ob du gerne hättest, dass es ihm gut geht, damit er dir nicht mehr erzählt, wie schlecht es ihm geht. Wenn das so ist, dann ist die Lösung nicht, dem Kranken zu sagen, wie er gesund wird, ohne selbst tatsächlich eine Ahnung davon zu haben. Wenn das so ist und es dich nervt, wenn Kranke über ihre Probleme sprechen, dann müsstest du in der Lage sein, dich zu entfernen, statt aus dem Genervtsein eine Heilanleitung zu machen, weil du im Internet gehört hast, dass Kurkuma hilft. Die meisten chronisch Kranken ruhen viel tiefer in sich als die Gesündesten. Und das Spannende ist ja auch, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten: Wenn du gesund bist, dann machst du ja auch wieder Dinge, damit du angestrengt bist. Ich war zum Beispiel Radsportler und ich hatte keine gesundheitlichen Probleme. Aber ich hatte dann das Problem, dass ich nicht schnell genug war. Das ist natürlich eingebildet. Aber so sorgen wir halt dafür, dass wir in jedem Gesundheitszustand irgendwie noch ein Problem haben. Deshalb ist das Wichtigste nicht dein körperlicher Zustand, sondern dein geistiger Zustand. Du kannst aus allem ein Problem machen und du kannst alles auch positiv sehen, ohne dass es künstlicher Positivismus ist. Es gibt zum Beispiel Menschen, die können kaum mehr aus dem Bett. Wenn es dir schlecht geht, aber du kannst noch aufstehen, dann ist das immerhin etwas. Das funktioniert wie gesagt nicht künstlich. Du musst es in dir tatsächlich erleben. Und diese Einstellung muss in dir reifen. Dafür brauchst du Zeit. Das geht nicht von heute auf morgen. Da geht es um einen Weg. Und diesen Weg kannst du nur gehen und diese Entwicklung kannst du nur erleben, wenn du diesen Weg auch gehen willst. Wenn du auf der Suche nach Abkürzungen bist und nach Menschen, die dir alles abnehmen, dann wird aus diesem Weg nichts. Für dich muss ich das nicht erwähnen, aber nur zur Sicherheit. Nur ein doofer Verstand macht aus dem, was ich gerade gesagt habe, eine Regel im Sinne von: Du darfst keine Hilfe anfordern. Du darfst nicht zum Arzt gehen. Du darfst zu keinem Heilpraktiker und so weiter. Das hat damit alles nichts zu tun. Du kannst überall hingehen und du kannst alles ausprobieren. Das ist der Weg des Abenteurers. Du wirst dabei auf der Schnauze landen. Du wirst Rückschläge haben und du wirst schöne Erfahrungen machen, tolle Menschen treffen und Fortschritte machen. All das gehört dazu. Und das funktioniert nur, wenn du deine Verantwortung nicht an andere abgibst, sondern selbst für dich in Anspruch nimmst.