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    25.8.2024AQ 2466
    »Eine traumatisierte Gesellschaft braucht Rituale.«
    0:009:16
    Eine traumatisierte Gesellschaft braucht Rituale. Der Grund für eine ritualisierte Gesellschaft ist eine traumatisierte Gesellschaft. Rituale unterdrücken Trauma. Deshalb verwenden traumatisierte Menschen Rituale. Ein Traumatisierter braucht Rituale. Deshalb werden sie dir überall empfohlen und angeboten. Es fühlt sich kurzzeitig besser oder sogar gut an. Du wirst aber immer neue Rituale brauchen und deshalb nie frei sein. Rituale sind ein Unterdrückungsmechanismus. Sie funktionieren fast schon hervorragend. Ein ritualisiertes Leben ermöglicht dir wieder und wieder deinen Schmerz zu verdrängen und zu unterdrücken. Wenn du erwachen willst, musst du damit irgendwann aufhören. Du musst aufhören, ritualisiert zu leben. Die Rituale bringen dich in eine Komfortzone. Lustigerweise sagen dir die Gleichen, die dir Rituale empfehlen, dass du deine Komfortzone verlassen sollst. Das passt perfekt, denn mit widersprüchlichen Botschaften und Signalen kannst du dieses Spiel unendlich aufrechterhalten. Und falls du jetzt denkst: "Ich habe doch keine Rituale!", dann vergisst du, dass unser gesamtes Leben ritualisiert ist. Es ist egal, ob einzelne Aspekte für dich zutreffen. Aber schau dir den Tagesablauf eines Menschen an. Die meisten Menschen stehen mit Wecker auf. Das ist das erste Ritual. Dann machen sie Frühstück. Dann essen sie. Dann gehen sie zur Arbeit. Dann machen sie Mittagspause. Dann arbeiten sie weiter. Dann kommen sie heim. Dann setzen sie sich vor den Fernseher. Und so weiter. Und manche denken dann: "Wenn ich jetzt noch das Ritual Meditation in mein Leben integriere, dann wird alles besser. Dann bin ich spirituell. Dann hört der Schmerz endlich auf." Das wird nicht passieren. Du kannst den Schmerz weiterhin unterdrücken. Ein Ritual, das den Schmerz unterdrückt, lässt ihn aber nicht verschwinden. Und es geht auch nicht darum, dass der Schmerz verschwindet, sondern dass du ihn wahrnimmst. Dass du realisierst, dass du alles, was du machst, aufgrund dieses Schmerzes machst. Das Absurde an dieser ganzen Sache ist, dass es Menschen gibt, die auf dem Weg in die Freiheit sind. Die reisen zum Beispiel viel, sind digitale Nomaden oder melden sich ab und machen irgendwas vollkommen anderes als bisher. Und da gibt es dann eine ganze Persönlichkeitsentwicklungszene, die ihnen rät, neue Rituale einzuführen. Was für ein absurder Krampf und Kampf! Und natürlich bedeutet das nicht, dass du keine Tätigkeiten wiederholen darfst. Die Frage ist nur: Warum machst du das? Hat es sich so ergeben? Ist es dir entsprungen? Oder machst du es für einen Zweck? Ein kleiner Zweck wird immer irgendwo im Hintergrund sein. Das macht überhaupt nichts. Bei den meisten Menschen ist es aber ein sehr großer Zweck. Und der ist vollkommen unbewusst. Aufgrund ihres Traumas, aufgrund der Anspannung, des Drucks und des Stresses, den sie fühlen würden, wenn sie keine Übersprungshandlung verfügbar hätten. Um all das zu verdrängen, ist jede Ablenkung willkommen. Menschen wollen die Verbindung zu sich selbst nicht fühlen. Denn sie stellen sich unter Verbindung zu sich selbst immer etwas außerordentlich Positives vor. Aber die Verbindung zu dir selbst ist erst einmal das Schmerzhafteste, das du erleben kannst. Es hat ja einen Grund, warum du von dir getrennt bist, warum du es nicht wahrnehmen willst, warum du es nicht fühlen kannst. Das ist ja auch ein natürlicher Schutzmechanismus. Und all das ist vollkommen in Ordnung. Ein Traumatisierter nimmt entweder Drogen oder macht Rituale. Das sind die beiden besten Möglichkeiten, den Schmerz zu verdrängen. Nachdem du das in dir entdeckt hast, kannst du auch für einen kurzen Augenblick in die Welt rausschauen. Schau dir an, wie sehr die Menschen auf Rituale stehen. Schau dir an, wie sehr sie Kurse lieben, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Schau dir an, wie sehr sie die geführte Meditation vermissen, falls sie nicht irgendwann kommt. Die meisten Menschen sind ohne Rituale vollkommen hilflos und aufgeschmissen. Eine der effektivsten Heilungsmöglichkeiten ist, auf alle Rituale zu verzichten, ein vollkommen neues Leben zu beginnen, das frei ist von ritualisierten Handlungen. Das krempelt dein gesamtes Leben um. Ich sage das nicht aus der Theorie, sondern aus der hart gelebten eigenen Praxis. Als ich die Welt der Rituale verlassen habe, ist etwas unspektakulär Spektakuläres geschehen. Ich wurde ganz automatisch immer mehr nur noch mit mir selbst konfrontiert. Alle Ausreden, alle Erklärungen sind weggefallen. Nichts und niemand konnte mich retten. Ich war vollkommen auf mich allein gestellt. Und ich wollte auch nichts anderes mehr, als auf mich allein gestellt zu sein. Das war das Beste, das mir passieren konnte. Kein Coachingprogramm und keine Therapie hätten das jemals ersetzen können. Ich musste das, was mein Lehrer gesagt hat, im echten Leben erleben. Der spirituelle Name, den er mir gegeben hat, Antaro, bedeutet "innen". Und ich musste innen erleben, was Freiheit wirklich ist. Freiheit von Ritualen. Freiheit von den Vorstellungen anderer und sogar Freiheit von meinen eigenen Vorstellungen.