Die spirituelle Szene ist süchtig nach guten Gefühlen. Sie wollen Liebe fühlen und sie wollen glauben, dass sie Liebe sind, ohne dass sie es ein einziges Mal überprüft haben. Du kannst nur sein, was du immer bist. Das bedeutet, dass du nur das sein kannst, was du bist, wenn Gefühle von Liebe und Gefühle von Hass und gar keine Gefühle hier sind. Du könntest das sogar überprüfen. Aber dazu regt dich niemand an, weil die ganzen spirituellen Coaches von anderen abschreiben und abschauen. Sie verhalten sich so, wie sie denken, dass man sich als Spiritueller verhält, ohne es selbst zu erleben. Irgendwann hat jemand mal einen Erleuchteten gesehen und erlebt und der hat sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Und der, der ihn beobachtet hat, hat ihn kopiert, weil er dachte, das sei ein Kriterium für seine eigene Erleuchtung. Damit hat der ganze Scheiß der Spiris angefangen. Es ist auf Imitation aufgebaut, nicht auf authentischem Sein. Zurück zur Möglichkeit der Überprüfung. Was bist du immer? Was bist du unabhängig von Umständen und Gefühlen? Du kennst es. Und du hast es auch schon tausende Male erlebt. Seltsamerweise hast du dabei aber nichts erlebt. Deshalb kommt es dir gar nicht in den Sinn, was das sein könnte. Außerdem erzählt man dir ja die ganze Zeit, dass du Liebe bist und deshalb suchst du nach dieser Liebe. Du kannst jedenfalls nichts sein, was du einmal bist und dann nicht bist. Du musst immer das Gleiche sein. Hast du jetzt schon eine Ahnung, wo das hinführt? Es führt nicht in die Liebe. Es führt aber auch nicht in den Hass. Es führt nicht in die Depression. Es führt nicht in die Euphorie. Es führt dorthin, wo auch die meisten Spiris nicht sein wollen. Und das kann ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Trotzdem weiß ich, dass es die Wahrheit ist. Also jetzt meine Frage: Wo bist du im Tiefschlaf? Fühlst du im Tiefschlaf Liebe? Bist du im Tiefschlaf alles? Bist du eins mit allem im Tiefschlaf? Oder bist du nichts? Offensichtlich ist, dass du selbst im Tiefschlaf bist. Sonst könntest du hinterher nicht wach sein und denken, dass du jetzt Liebe sein solltest oder deinen Hass loswerden müsstest. Du bist aber etwas, das du nicht kennst. Du kannst es auch nicht kennen, weil du es in Abwesenheit von Verstand und Ego nicht untersuchen kannst. Und darauf macht dich kaum jemand aufmerksam. Lieber drehen sie dir noch eine geführte Meditation für Selbstliebe an, als dass sie dich auf diesen Umstand hinweisen. Schließlich wollen sie dir etwas anbieten, das schön ist, denn dann kommst du ja auch wieder. Lehrer, die die Wahrheit sagen, sind selten hoch frequentiert. Die spirituelle Szene ist inzestuös. Einer schaut vom anderen ab. Sie haben sich selbst etwas antrainiert und damit haben sie dich trainiert, ebenfalls so zu tun als ob. Sie wollen alle auf eine bestimmte Art und Weise erscheinen. Die einen wollen ruhig erscheinen, die anderen liebend, wieder andere annehmend. All das ist nicht echt. Das ist gekünstelte und gestapelte Kacke. Aber dadurch, dass sich alle so verhalten und ganz oft wiederholen, dass du Liebe bist, dass du keine bösen Worte mehr sagen darfst, weil sie sich sonst manifestieren, hast auch du dich daran gewöhnt und versuchst jetzt das Gleiche wie sie. Du hast dich an ihre geführten Meditationen gewöhnt, die dich so schön hypnotisieren. Du hast dich an ihre positiven Glaubenssätze gewöhnt, die dir in schlechten Zeiten helfen, den Schmerz weiterhin zu verdrängen. Du hast mit ihrer Hilfe gelernt, das zu leben, was jetzt nicht hier ist und weiterhin vor dem zu fliehen, was tatsächlich hier ist. Du wolltest einen Kick. Sie haben ihn dir gegeben. Du bist der Junkie, den sie brauchen, damit ihr Theater eine Resonanz findet. Was, wenn dir niemand deine Spiritualität ansieht? Was, wenn dich niemand danach fragt, wie du so liebevoll geworden bist? Was, wenn niemand deine spirituelle Leistung anerkennt? Was, wenn du nicht dein Traumleben manifestierst? Was, wenn du krank bist und erkennst, dass Krankheit tatsächlich auch ein Weg ist? Dann wird es spannend. Denn dann geht es plötzlich wieder um dich, statt um irgendein idiotisches, künstliches, spirituelles Spiel. Schau mal, was bei den Coaches und sogenannten Lehrern alles schiefläuft. Ich meine damit nicht alle Coaches und vor allem nicht alle Lehrer. Aber es sind viele, die plötzlich nach 10 oder 20 Jahren merken, dass sie ausgebrannt sind. Manche haben Burnout und nehmen sich jetzt eine Auszeit. Eine Auszeit vom Leben, von dem sie gepredigt haben, dass es so toll ist. Eine Auszeit von dem Leben, von dem sie dir den Eindruck gegeben haben, du könntest und solltest ihnen nacheifern. Ich kenne Menschen, die in ihrer Hingabe zu ihrer Krankheit authentischer und spiritueller sind als viele sogenannte erfolgreiche Spirituelle. Sie leben alle nicht im Moment und sind süchtig nach guten Gefühlen. Deshalb können sie gar nicht herausfinden, wer sie wirklich sind. Sie sind nicht Liebe. Sie sind auch nicht Hass. Sie sind die Grundlage von allem, die man nicht benennen kann. Du kannst diese Grundlage auch nicht erfahren, weil jede Erfahrung innerhalb dessen stattfindet. Und so leiten sie dich in die spirituelle Irre, indem sie dich auf ihren Suchttrip auf der Suche nach guten Gefühlen mitnehmen. Und du nimmst es dankend an, weil es gibt ja immer noch irgendetwas zu vermeiden. Außerdem hätten wir alle gerne Ekstase statt Nüchternheit. Das, was du bist, ist aber keine Ekstase. Es ist so normal, dass es dir nicht einmal auffallen kann.