Die scheinbaren Anführer sind immer ebenfalls ein Teil der Massenpsychose. Diejenigen, die eine Massenpsychose erkennen, gehen oft davon aus, dass die Anführer der Massenpsychose nicht wirklich ein Teil der Massenpsychose sind. Sie glauben, dass die Anführer von außerhalb steuern könnten. Tatsächlich ist es absolut notwendige Voraussetzung, dass du als Anführer mitten in der Psychose bist. Du musst an so vieles glauben und von so vielem überzeugt sein, das tatsächlich nicht der Fall ist. Du musst zum Beispiel daran glauben, dass du es in der Hand hast, dass du mächtig bist. Das musst du selbst dann glauben, wenn deine Befehle von woanders kommen. Dann musst du glauben, du tust etwas ganz besonders Richtiges und Wichtiges. Du musst sehr überzeugt sein von dem, was du tust. Die Überzeugtesten sind immer auch die Gefährlichsten. Es heißt nicht umsonst Überzeugungstäter. Auch wenn die Überzeugung ganz ähnlich dem Glauben ist und keine Substanz hat, ist sie an sich nichts Schlimmes und nichts Gefährliches. Du kannst von allem Möglichen und Unmöglichen überzeugt sein und du kannst an alles Mögliche und Unmögliche glauben. Das ist überhaupt kein Problem. Zum Problem wird es erst, wenn du andere mit reinziehen willst, indem du sie überzeugst und falls du sie nicht überzeugen kannst zu anderen Mitteln greifst. Diese Mittel haben dann immer mit Zwang und Gewalt zu tun. Wenn du etwas wirklich weißt, weißt du es aus eigener Erfahrung. Und wenn du es aus eigener Erfahrung weißt, dann weißt du auch, dass du niemanden überzeugen kannst und brauchst. Denn auch du musstest es erst erleben, bevor du es wissen konntest. Jede andere Vorgehensweise ist in Anlehnung an das gestrige Zitat Faschismus. Und der Anführer der Faschisten muss sich auch selbst verstümmeln. Er muss so tun, als wüsste er, was zu tun ist. Diejenigen, die zweifeln, gehen immer davon aus, dass sie die Unterlegenen sind. Tatsächlich sind sie allen anderen überlegen, weil sie niemals Faschisten werden. Ein Mensch, der zweifelt, zieht andere nicht mit rein. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich selbst zu sortieren, als dass er sich um andere kümmern könnte. Er will auch kein Anführer sein, weil Zweifelnde dazu neigen, ehrlich zu sein. Und wenn er ehrlich ist, dann weiß er, dass er gar nicht weiß, wo es langgehen soll. Das weiß er noch nicht einmal für sich. Wie sollte er es dann anderen sagen? Unser Verstand neigt zu einem fatalistischen Weltbild und geht deshalb davon aus, dass die Ehrlichen und Zweifelnden unterlegen sind. Und das stimmt nicht. Wenn sie in der Lage sind, ihren Zweifel im Körper zu fühlen und ehrlich bleiben, dann leben sie in der Welt der Fügung. Da sie zweifeln und skeptisch sind, können sie das oft nicht wahrnehmen. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht so ist. Die Geschichte wird absichtlich als Drama geschrieben, damit du glaubst, dass immer alle gleichermaßen davon betroffen sind. Wir leben in historisch bedeutenden Zeiten, in denen wir feststellen können, dass es nicht stimmt, was berichtet wird. Wir können jetzt selbst erkennen, dass die Berichte immer einseitig sind. Im Zustand der Psychose gibt es keine Ausgewogenheit. Und wenn psychotische Menschen von einer Massenpsychose berichten, kommt das heraus, was wir als Geschichtsschreibung bezeichnen. Es gibt aber keine einheitliche Geschichte. Es gibt Tendenzen und Strömungen. Und es gibt Ereignisse, die gehäuft auftreten. Aber es gibt keinen einzigen Menschen, der das alles erlebt, so wie es geschrieben steht. Und nicht alle Menschen erleben das Gleiche, selbst wenn sie etwas Ähnliches erleben. Es gibt zum Beispiel Menschen, die als Kind in einen Luftschutzbunker mussten und die keine Panik hatten, sondern sich ganz besonders geborgen fühlten. Diese Geschichten werden nur am Rande erzählt, wenn überhaupt. Menschen, die es erlebt haben, brauchen keine Überzeugung mehr. Denn es ist ihre eigene, ganz persönliche Erfahrung. Die Anführer der Massenpsychose neigen nicht dazu, sich zu reflektieren. Deshalb werden sie es auch anschließend, wenn alles vorbei ist, nicht tun. Und sie werden die Geschichte schreiben oder schreiben lassen. Die Geschichte einer Massenpsychose, in der sie ein wichtiger Bestandteil waren und bei der sie davon ausgehen, dass es alle so erlebt haben wie sie selbst.