Der Zweck von Nachrichten ist nicht Information, sondern Emotion. Selbst wenn das nicht der Zweck von Nachrichten wäre, würden sie trotzdem genauso wirken. Du denkst, dass sie dich informieren und tatsächlich emotionalisieren sie dich. Du wirst wütend. Du bekommst Angst. Du bist traurig. Du regst dich auf. Und genau dafür sind Nachrichten da. Das ist der Zweck von Nachrichten. Und natürlich hängt dieser Zweck von den Menschen ab, die diese Nachrichten präsentieren. Ich kenne Menschen, die viel schlimmere Nachrichten überbringen, als in den offiziellen Nachrichten kommen. Aber die sind anders. Die präsentieren diese Nachrichten sogar viel emotionaler. Und trotzdem regen sie mich nicht auf. Es hat natürlich vor allem etwas mit deinem Zustand zu tun, wie du das Ganze betrachtest, ob du es ernst nimmst. Und bei den Menschen, die die Nachrichten emotional präsentieren, weiß ich, dass sie selbst es nicht ernst nehmen. Und das macht den Unterschied. Es gibt nämlich auch Menschen, die die Nachrichten emotional präsentieren und da wäre ich nicht ganz ruhig. Da würde ich mich im Lauf der Zeit aufregen. Manchmal bekomme ich aber auch bei den Nachrichten Angst, wo die Nachrichtenverkünder ganz entspannt sind und es nicht ernst nehmen. Dann fühle ich die Angst in meinem Körper. Die meisten Menschen haben keine Erfahrung mit dem Fühlen der Gefühle im Körper und deshalb wirken Nachrichten so, wie sie wirken sollen. Sie emotionalisieren die Menschen, während sie vorgeben, sie zu informieren. Meine Eltern saßen manchmal wild schimpfend vor der Tagesschau und ich habe mich daran angepasst. Ich dachte dann, man müsse sich über CSU und FDP grundsätzlich aufregen. Das war ein Teil meiner Programmierung. Ich habe es nicht anders erlebt. Ich konnte mir lange Zeit auch nicht vorstellen, dass man Nachrichten nicht ernst nehmen kann, bis ich Zyniker getroffen habe, die scheinbar darüber standen. "Scheinbar" kann ich erst jetzt sagen, da ich beobachtet habe, dass sich das 2020 ganz schnell geändert hat. Wenn die Angst zu groß wird, ist das Offensichtliche nicht mehr offensichtlich. Wenn die Angst zu groß wird, knicken Zyniker ein. Ihr Zynismus war immer nur ein Schutz vor der Welt. Sie standen nicht über den Dingen. Sie haben nur versucht, so zu erscheinen. Und so hat jeder seine Strategie, mit Nachrichten umzugehen, die Emotionen auslösen. Wir verarbeiten dadurch nicht die Information. Wir verarbeiten immer nur die ausgelöste Emotion. Es hat deshalb leider keinen großen Wert, den Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen und die Zeitung abzubestellen. Denn wir bleiben auch ohne Information aus diesen Quellen immer noch emotionalisierbar. Man kann uns jederzeit über die Emotion ansprechen und entsprechende Gefühle oder sogar Handlungen auslösen. Was es also parallel dazu bräuchte, den Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen, ist ein Kurs in Gefühle fühlen. Dann geschieht etwas Erstaunliches. Es wird dir dann nämlich wieder möglich, den Fernseher einzuschalten. Du wirst entweder nicht mehr so emotional reagieren oder die Gefühle sind sogar komplett weggefallen. Solange man sich noch aufregt, kann man sich das nicht vorstellen. Es ist aber meine erlebte Realität und die geht sogar noch darüber hinaus. Ich kann sehen, dass jeder nur seine Rolle spielt, vollkommen unabhängig davon, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Ich kann den Zirkus sehen, in dem die Clowns auftreten und ich kann sie nicht mehr ernst nehmen. Es ist dazu nicht notwendig, dass ich sie verachte. Das wäre immer noch äußerst emotionsgeladen. Es ist ihr Spiel und manche spielen das Spiel, bis zu den Haarspitzen im Ego zu stecken. Wenn du das neutral sehen kannst, brauchst du niemanden mehr bekämpfen, weil keiner dein Feind ist. Dann hast du das Nachrichten- und Informationsspiel verlassen, weil du alle deine Gefühle fühlen kannst.