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    9.8.2024AQ 2450
    »Das Gegenteil von Sucht ist nicht Abstinenz.«
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    Das Gegenteil von Sucht ist nicht Abstinenz. Das Gegenteil von Sucht ist Verbindung. Genau genommen ist Sucht Verbindung. Die Verbindung zu einem sogenannten Suchtmittel. Was in der Sucht gesucht wird, ist aber nicht das Mittel, sondern die Verbindung. Deshalb kann man Sucht nicht durch Entzug beenden. Man kann nur die bestehende Verbindung zum Suchtmittel durch eine andere Verbindung ersetzen. Das können andere Mittel sein. Das wird ja auch halbwegs erfolgreich gemacht. Das können aber auch andere Menschen sein. Und das kann sogar derjenige sein, der angeblich süchtig ist. Das wäre die ultimative Verbindung: Die Verbindung zu sich selbst. Verrückterweise ist diese Verbindung zu sich selbst das ultimative Lebensziel. So gesehen könnte man auch sagen, dass die sogenannten Süchtigen immerhin schon einmal auf dem richtigen Weg sind im Vergleich zu den Abstinenten. Die Abstinenten lehnen nämlich Beziehung auf jeder Ebene ab. Das ist auch der Grund, warum sie keine so geselligen Gesellen sind. Der Grund ist nicht, dass sie zum Beispiel keinen Alkohol trinken und deswegen langweilig sind. Der Grund ist ihre Ablehnung von Beziehung. Die Süchtigen sind Beziehungsbefürworter. Sie suchen dummerweise nur an einer Stelle, die ihnen vielleicht nicht ganz so gut tut. Und das gibt es natürlich auch im Bereich der Beziehungen zu anderen Menschen. Wir sprechen dann von co-abhängigen Beziehungen und verurteilen das. Tatsächlich suchen auch diese Menschen an der richtigen Stelle. Sie wissen intuitiv, dass im Bereich der Beziehung ihre Heilung liegt. Und die ultimative Beziehung ist die Beziehung zu dir selbst. Das ist Spiritualität. Deshalb muss man sagen, dass sich Süchtige auf dem Weg zur Spiritualität befinden. Und das gilt für alle Formen und Arten der Sucht. Ganz egal, ob es sich um Substanzen handelt, um Beziehungen, um die Arbeit, den Sport. Alle Süchtigen sind auf der Suche nach der Beziehung zu sich selbst. Bei der Beziehung zu dir selbst geht es nicht darum, dass du unbedingt alleine sein musst. Es geht aber auch nicht darum, dass du dazu einen anderen brauchst. Ein Mensch, der eine Beziehung zu sich selbst hat, der zu sich selbst eine Verbindung aufgebaut hat, kann in einer Beziehung sein, muss er aber nicht. Denn die erste Beziehung ist die wichtigste. Und diese erste Beziehung wird bei Sucht durch eine Beziehung zu etwas anderem ersetzt. Mangels der Beziehung zu uns selbst suchen wir nach anderen Möglichkeiten. Und auf dieser Suche sind wir höchst kreativ. Wir finden alles Mögliche und Unmögliche. Nicht die Substanz macht süchtig, sondern die Beziehung zur Substanz. Sobald die Beziehung zur Substanz durch eine andere Beziehung ersetzt wird, wird die Substanz überflüssig. Deshalb sind die besten Helfer für süchtige Menschen diejenigen, die eine Beziehung aufbauen oder die dem Süchtigen helfen, eine Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Machen kann das aber niemand anders als der Süchtige selbst. Denn er muss es für sich erkennen.