»Wenn Sie intuitiv tätig sind, dann sollten Sie eine sehr lange Lerngeschichte am Rande der Überforderung hinter sich haben.« Peter Kruse Peter Kruse war ein Netzwerkforscher und Psychologe. Und als ich diesen Satz von ihm gehört habe, ist mir die Kinnlade nach unten geklappt. Denn obwohl ich in meinen Retreats immer wieder genau davon spreche, hat es dieses Zitat noch einmal knallhart auf den Punkt gebracht. Peter Kruse beschreibt darin den spirituellen Weg. Das ist der spirituelle Weg, der von der Mainstreamspiritualität nicht wahrgenommen werden will. Die meisten wollen genau diese in dem Zitat beschriebene Phase überspringen. Wenn du genau beobachtest und genau zuhörst, dann weißt du, dass alle oder fast alle Lehrer, die man halbwegs ernst nehmen kann, von genau dieser Phase berichten. Sie sagen nicht, dass das eine Phase von ein paar Stunden, Tagen oder Wochen war. Bei den meisten hat sie viele Jahre gedauert. Peter Kruse spricht in diesem Zitat zwar von einer Tätigkeit, indem er sagt: "Wenn Sie intuitiv tätig sind!", doch das ist nichts anderes als Spiritualität. Die Intuition kann erst dann durchkommen, wenn ein spiritueller Wandel stattfindet. Diese Frage treibt auch viele Menschen um: "Wie finde ich meine Intuition?" Und da gibt es dann ganz tolle Bücher mit ganz tollen Übungen und Onlinekurse und Coachings. Und alle wollen es dir leicht machen. Kaum einer berichtet von dieser Phase, die nicht kurz ist, sondern eine lange Lerngeschichte am Rande der Überforderung. Auf gut Deutsch gesagt: Es muss lange Zeit ganz schön beschissen laufen. Genau diese Phase ist aber der Grund, warum die Menschen Bücher kaufen, Coachings buchen und zu Seminaren gehen. Sie wollen diese Phase überspringen. Sie wollen diese Lerngeschichte am Rande der Überforderung möglichst schnell hinter sich haben. Und dadurch sorgen sie dafür, dass es keine lange Lerngeschichte, sondern eine kurze Lerngeschichte wird. Ich drücke mich oft nicht so gewählt aus. Ich sag dann so was wie: "Du musst lange kotzen." Ich meine damit aber exakt das Gleiche. Wenn du das erreichst, was sich auch die meisten Spirituellen wünschen, nämlich ständig angenehme, schöne Erfahrungen, dann lernst du nichts und dann verändert sich auch nichts. Als meine Lerngeschichte am Rande der Überforderung begonnen hat, habe ich meinen Lehrer gefragt, was das ist. Und seine Antwort ist nicht die fürsorgliche Antwort, die sich der Verstand wünscht. Er hat mir geschrieben: "Mach dir keine Sorgen. Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass dein Körper stirbt." Das sind nicht die wohlklingenden Worte der modernen Spiritualität. Das ist harter Tobak und für die meisten ein Grund, ihren Lehrer zu verlassen. Der Verstand liebt Beruhigung. Deshalb inszeniert er Drama. Jemand, der das Drama abbaut oder eliminiert, wird deshalb vom Verstand als Feind betrachtet. Auch das kann eine Lerngeschichte am Rande der Überforderung sein. Dazu muss man aber bereit sein, dranzubleiben und nicht frühzeitig aufzugeben. Ich habe immer wieder den Fehler gemacht, dass ich vorausgesetzt habe, die Menschen verstehen, was ich meine, wenn ich es erkläre. Ohne diese Lernerfahrung am Rande der Überforderung bewusst hinter dir zu haben, kannst du es aber nicht verstehen. Du verstehst immer erst hinterher. Vorher sind es schöne Aphorismen, die wir uns gegenseitig ins Poesiealbum schreiben und wir knallen sie uns gegenseitig auf Instagram und Facebook um die Ohren. Etwas schön zu finden, es für wahr oder richtig zu halten, ist ganz nett. Es ermöglicht dir aber nicht, den Kern der Botschaft wahrhaftig und glaubwürdig zu transportieren. Du musst es bewusst und frei von Drama erlebt haben. Dann wirst du zu einem Lichtbringer. Weil du alles nachvollziehen kannst! Du kannst aus eigener Erfahrung berichten und bist nicht auf schöne Zitate angewiesen. Ich formuliere immer anders als Peter Kruse, aber ich sage das Gleiche. Ich würde sagen: "Wenn du deine Intuition finden willst, dann solltest du sehr lange gekotzt und dich dabei bewusst beobachtet haben."