Argumente leuchten dir erst dann ein, wenn du bereits überzeugt bist. Die Überzeugung ist vor den Argumenten präsent. Seltsamerweise beobachten wir das nicht genau und sind dann der Meinung, wenn wir überzeugt sind, wir könnten alle anderen durch Argumente überzeugen. Wenn wir selbst nicht durch Argumente überzeugt wurden, wie soll es dann bei anderen funktionieren? Und wenn wir davon überzeugt sind, dass die Argumente uns überzeugt haben, dann haben wir nicht genau genug hingeschaut. Denn Überzeugung ist nicht rational. Überzeugung ist ein Gefühl. Und Gefühle kannst du rational, also durch Argumente nicht herstellen. Wir alle hätten das in den letzten vier Jahren wunderbar beobachten können. Und zwar unabhängig davon, auf welcher Seite wir standen. Wir hätten beobachten können, dass es nicht möglich ist, andere Menschen durch unsere tollen, ach so guten Argumente zu überzeugen. Es gab von Anfang an verschiedene Lager und die sind im Wesentlichen so geblieben. Und wir hätten etwas noch Verrückteres feststellen können. Wenn du wetten hättest müssen, auf welcher Seite deine Freunde, Menschen, die du kennst, Familienmitglieder oder auch Menschen, die du von früher kennst, zu denen du lange keinen Kontakt mehr hattest, wenn du also wetten hättest müssen, auf welcher Seite die stehen, dann wärst du oft falsch gelegen. Du konntest aufgrund des früheren Charakters oder dessen, was du an Verhalten beobachtet hast, nicht zu 100 % sagen, wo jemand steht. In einigen Fällen vielleicht schon, aber du hättest ganz sicher nicht 100 % deiner Wetten gewonnen. Und du wärst oft überrascht gewesen, wie sehr du daneben liegst. Das geht wirklich nur, wenn Überzeugung absolut gar nichts mit Argumenten zu tun hat. Und es geht sogar nur dann, wenn Überzeugung noch nicht einmal etwas mit Überzeugung zu tun hat. Es geht nur dann, wenn in den Menschen alte Kindheitsgefühle ausgelöst werden, aufgrund derer sie automatisiert programmiert reagieren. Sie reagieren, ohne dabei denken zu können. Und zwar selbst dann, wenn sie denken, dass sie gerade denken. Das ist sozusagen das Wunder der Programmierung. Wir können uns einbilden, darüber nachzudenken, abzuwägen, Pro und Contra anzuschauen. Und tatsächlich können wir es gar nicht. Und sobald wir nicht mehr in unserer Programmierung leben, brauchen wir es gar nicht. Denn auch in diesem Fall ist das Gefühl bereits vor dem Denken verfügbar. Es ist schon hier, bevor du nachgedacht hast. Wir nennen so etwas Intuition. Wir nennen das aber auch Intuition, wenn wir innerhalb unserer Programmierung sind. Denn auch das fühlt sich ja genau so an, als wüssten wir es, bevor wir darüber nachgedacht haben. Wir merken nur nicht, dass es innerhalb der Programmierung automatisiert aufgrund von früheren Erfahrungen läuft. Meistens sind das negative schlechte Erfahrungen. Ganz egal wie. Wenn du den Eindruck hast, du bist deiner Intuition gefolgt, dann sind plötzlich alle Argumente, die für deine Seite sprechen, vollkommen logisch. Und die Argumente von der Gegenseite findest du alle unlogisch. Und zwar selbst dann, falls sie logisch sind. Das liegt daran, weil wir durch Gefühle gesteuert werden und uns selbst durch Gefühle steuern. Argumente sind dazu keine notwendig. Nur jede Menge Gefühle. Und unser Job ist es, die Gefühle wahrzunehmen. Dadurch verändert sich unser Leben bereits. Wir müssen sonst nichts machen. Denn jeder Antrieb entsteht aus unseren Gefühlen. Und erst wenn die negativen, schlechten Gefühle unserer Kindheit bewusst wahrgenommen wurden, gibt es überhaupt erst die Möglichkeit für neue Gefühle und damit auch eine neue Richtung. Argumente sind dafür in keinem Fall notwendig. Und sie sind nicht nur nicht notwendig, sondern sie führen auch zu nichts. Sie helfen dir nur scheinbar, wenn du bereits überzeugt bist.