»Macht hat nur derjenige, der Macht über deine Gefühle hat.« Derjenige, der bei dir Gefühle auslösen kann, hat Macht über dich. Es stellt sich dann nur die Frage, ob er diese Macht missbraucht oder zu deinem Vorteil verwendet. Im Idealfall hast du die Macht über deine Gefühle. Falsch interpretiert bedeutet das, dass du deine Gefühle unterdrücken kannst. Richtig interpretiert bedeutet es, dass du in der Lage bist, deine Gefühle zu fühlen und dadurch unabhängig von denen zu werden, die sie auslösen. Wenn du jetzt bedenkst, dass alles in den Nachrichten Gefühle bei dir auslöst, dann weißt du, wofür Nachrichten gemacht werden. Solange du eine der Positionen in den Nachrichten verteidigen willst, bist du emotional damit verbunden oder sogar gefangen. Du hast, wie man so schön sagt, Aktien im Spiel. Du hast eigene Überzeugungen, die du verteidigen und erklären möchtest und zu denen du am liebsten Zustimmung bekommen würdest. Wenn du dann aber Zustimmung bekommst, dann bist du nur ganz kurz froh darüber. Und suchst dir gleich anschließend wieder Menschen, die dir widersprechen. Das ist auch vollkommen logisch, denn das eigentliche emotionale Spiel in uns allen ist nicht, dass wir andere überzeugen wollen, sondern wir wollen das wiederholen, was wir schon kennen. Und was wir schon kennen, sind Ablehnung und die Notwendigkeit, andere von unserer Meinung überzeugen zu müssen. Immer wenn wir das machen, haben andere Macht über uns. Und das sind zwei verschiedene Gruppen. Einmal diejenigen, mit denen wir im persönlichen Kontakt sind und die wir überzeugen wollen. Und zum anderen die Gruppe, die die Nachrichten verbreitet, die wir anschließend entweder verteidigen oder bestätigen wollen. Macht hat also derjenige, der das Narrativ bestimmt. Dadurch wird auch klar, dass es überhaupt nicht wichtig ist, welches Narrativ verbreitet wird, sondern dass eines verbreitet wird. Je kontroverser das Narrativ ist, desto besser funktioniert es. Desto eher haben andere Macht über deine Gefühle als du. Es geht dabei also überhaupt nicht um direkte Machtausübung. Es geht um Kontrolle, die weit jenseits davon ist. Es geht noch nicht einmal darum, dass kontrolliert wird, was du fühlst. Es geht nur darum, dass du etwas fühlst und dass du nicht bereit bist, das zu fühlen. Wärst du bereit, alles zu fühlen, kann keiner Macht über dich haben. Auch und vor allem nicht indirekt. Deshalb ist alles gespalten. Alles ist dual. Es braucht den Guten und den Bösen, den Freiheitskämpfer und den Widersacher. Und wir denken immer, wir müssen auf der Seite der Guten stehen. Lustigerweise denken aber immer beide Seiten, sie seien die Guten. Und das stimmt nicht. Beide Seiten sind gleich gut oder gleich schlecht. Beide Seiten sind vor allem gleich gefangen. Und deshalb werden Nachrichten nicht nur berichtet, sondern auch inszeniert. Solange du auf einer der beiden Seiten gefangen bist, kannst und willst du das nicht sehen. Du willst es nur dann sehen, wenn du nicht betroffen bist und die anderen betroffen sind. Die Mechanismen sind aber immer die gleichen. Und sie werden von allen Seiten gleichermaßen angewendet. Wirklich frei bist du erst, wenn du auch frei von Anfälligkeit für Narrative bist. Dann kannst du sehen, dass du ganz offensichtlich ein Theaterstück schaust.