Alle denken, dass sie gesehen werden wollen. Tatsächlich willst du dich selbst sehen können. Wenn die Menschen davon träumen, von anderen gesehen zu werden, dann meinen sie ihre Eigenschaften. Sie wollen für das anerkannt sein, was sie sind und was sie können, was sie darstellen. Das ist aber nur die oberflächlichste Ebene des Sehens. Es gibt Menschen, denen ist das gelungen oder passiert, die werden mit ihren Talenten und Fähigkeiten von anderen gesehen und vielleicht sogar verehrt. Und für einen kurzen Zeitraum macht das vielleicht sogar glücklich. Auf Dauer ganz sicher nicht. Und das kannst du auch beobachten. Die Stars, ganz egal in welchem Bereich, sind nicht automatisch glücklich. Viele von ihnen streben nach immer höheren, besseren Superlativen, nach noch mehr Bekanntheit, nach noch mehr Erfolg. Denn tatsächlich bekommst du ja gar nicht mit, wie viele Menschen dich sehen. Du bekommst es immer nur von denen mit, mit denen du gerade im Kontakt bist. Und das können vielleicht temporär ein paar mehr sein, zum Beispiel bei Konzerten, bei großen Auftritten vor einer Menschenmenge. Aber dann führst du ja wieder dein ganz normales Leben. Und dann kann dich immer nur der sehen, der gerade dir gegenübersitzt. Und da kann nicht mehr passieren als bei jedem anderen auch, der nicht berühmt ist. Und selbst bei diesen großen Auftritten interpretieren wir etwas Falsches hinein. Wir denken: "Der, der da auf der Bühne steht, fühlt sich jetzt gesehen." Das kann zwischendurch der Fall sein. In den meisten Fällen ist es nicht der Fall. Denn den allermeisten Menschen fehlt die letzte Ebene des Sehens. Und das ist nicht die Ebene, auf der sie sich selbst anerkennen für ihre eigenen Talente. Sondern das ist die Ebene, auf der sie sehen, was sie überhaupt sind und dass die Talente, das, was sie darstellen, die alleroberflächlichste Ebene ist. Das, was du selbst oder andere an der Oberfläche sehen können, wird dich nie zufriedenstellen. Die einzige zufriedenstellende Sichtbarkeit ist, wenn du dich selbst siehst. Wenn du merkst, dass du auch ohne Talente bereits vollkommen bist und zwar nicht auf der Ebene deines Egos, sondern auf der Ebene, auf der du tatsächlich existierst. Diese Ebene sind auch nicht deine Gefühle. Und selbstverständlich sind es auch nicht deine Gedanken. Es ist die Erkenntnis und das Sehen, dass du Bewusstsein bist. So erkennst du auch, dass du nicht die Person bist, für die du dich gehalten hast. Du bist auch nicht deine Eigenschaften, deine Charakterzüge. Du bist in deiner Essenz noch nicht einmal ein Mensch. Das ist es, was du sehen willst. Du willst sehen können, was du tatsächlich bist. Du willst nicht gesehen werden. Es hat wirklich keinen Wert. Es bringt nichts, wenn du gefeiert wirst. Es bringt nichts, wenn du erfolgreich bist im Vergleich dazu, dass du in der Lage bist, oder besser gesagt, in dem Bewusstsein, was du wirklich bist. Bei ein paar wenigen Menschen fällt die Identifikation mit dem Menschsein einfach weg. Das ist bei mir so nicht passiert und das muss auch bei dir nicht passieren. Du kannst dich selbst immer wieder daran erinnern oder erinnern lassen. Am meisten erinnern dich Wünsche im Widerstand, das heißt Wünsche, die du nicht sofort erreichen kannst und an denen du hart arbeiten musst. Wenn du ungeduldig bist, erinnert dich das daran, dass es darum nicht gehen kann. Es gibt nur eine einzige Sache, um die es geht und die dich im Kern interessieren kann. Alles andere kannst du trotzdem machen. Das ist überhaupt kein Problem. Das ist das Spiel. Aber du willst sehen, wer du bist. Du willst dich selbst sehen können. Und du willst dich erkennen. Da hilft es dir nichts, wenn dich andere toll finden und wenn dich andere sehen. Das ist eine Kapazität, die du entwickeln kannst. Für den Verstand klingt das sehr unspektakulär und wenig attraktiv. Tatsächlich verblasst alles Weltliche in dieser Erkenntnis.