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    2.7.2024AQ 2412
    »Die Ausnutzung von Kapitalisten ist kein Anti-Kapitalismus, sondern Kapitalismus in seiner reinsten Form.«
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    Die Ausnutzung von Kapitalisten ist kein Anti-Kapitalismus, sondern Kapitalismus in seiner reinsten Form. Kapitalismus ist eine Geschichte von Missverständnissen und Fehlinterpretationen. Das, was bei anderen kein Kapitalismus ist, wird uns als Kapitalismus verkauft. Und das, was bei uns Kapitalismus ist, wird uns als Sozialismus verkauft. Tatsächlich ist es ein System der Ausbeutung, das mit Kapitalismus und Sozialismus überhaupt nichts zu tun hat. Und ich möchte es dir heute an einem sehr lustigen Beispiel erklären. Vorher eine wichtige Grundlage. Unter Kapitalismus verstehen viele Menschen große böse Unternehmen, die viel Geld verdienen. Im echten Kapitalismus wäre es aber so, dass derjenige das meiste Geld verdient, der den meisten Mehrwert liefert. Und derjenige, der keinen oder nur einen geringen Mehrwert liefert, wäre dafür selbst verantwortlich und würde pleitegehen. Diese Pleite wird den großen Unternehmen aber nicht zugemutet. Die werden gerettet. Das bedeutet, diese Unternehmen leben gar nicht im Kapitalismus, sondern im Sozialismus. Der Staat rettet sie. Das ist nicht der Staat, das sind die Menschen. Das heißt, die Gewinne werden individualisiert und die Verluste sozialisiert. Die Gewinne bekommt nur der, der sie gemacht hat. Und falls jemand Verlust macht, kommt die Gemeinschaft dafür auf. Die Gemeinschaft kommt dafür aber nicht aus freien Stücken und in freier Abstimmung auf, sondern mehr oder weniger durch Oligarchen, die das jedes Mal bestimmen und die von keinem Einfluss aus der tatsächlichen Gemeinschaft abhängig sind. Eine kleine Randbemerkung an dieser Stelle: Alle vier Jahre eine Partei zu wählen, bedeutet nicht, dass du Einfluss auf diese Prozesse hast. Fakt ist, dass du bei der sogenannten Rettung von Unternehmen kein Mitspracherecht hast. Andere bestimmen, welche Unternehmen systemrelevant sind und welche Unternehmen gerettet werden und wie sie gerettet werden. Und ganz unabhängig von der Geschichte, die ich dir gleich erzähle, ist die Ausnutzung von Kapitalisten allein durch diesen Mechanismus kein Anti-Kapitalismus, sondern Kapitalismus in seiner reinsten Form, der sogar noch, wenn es dumm läuft, dir selbst schadet. Aber das kriegst du natürlich überhaupt nicht mit, weil ein Großteil deines Vermögens ist ja durch Steuern bereits sozialisiert. Was ich damit meine, ist Folgendes: Wenn du es schaffst, ein Unternehmen auszunutzen und ihm dadurch schadest — und das gelingt mehr Menschen als dir — und viele Menschen schaden dem Unternehmen, indem sie selbst einen Gewinn daraus ziehen, dann wird dieses Unternehmen vom Staat gerettet. Das bedeutet, du zahlst für deine eigene Ausbeutung. Erst denkst du, du bist clever und du nutzt ein Angebot oder vielleicht auch ein kleines Schlupfloch aus. Dadurch geht es dem Unternehmen schlecht. Es wird gerettet und du darfst es dann retten. Und das ist natürlich nicht personalisiert. Das ist vielleicht auch der Trick dabei, sodass es dir gar nicht auffällt. Meine Geschichte dazu ist folgende: Vor Kurzem hat mir jemand erzählt, dass er irgendwelche Gutschriften bekommt für Amazon, wenn er Konten eröffnet und er eröffnet jetzt also die ganze Zeit Konten, einfach nur um die Gutschriften bei Amazon zu sammeln und das Ganze macht er nach dem Motto: Wenn er die Möglichkeit hat, Amazon zu schaden, dann macht er das. Und das ist schon sehr lustig und traurig gleichzeitig. Denn er selbst würde sehr wahrscheinlich von sich sagen, er sei ein Sozialist. Er ist für den kleinen Mann, er ist für die Schwachen. Und die großen Unternehmen, das sind die Bösen und denen darf man ruhig schaden. Wenn du mich ein bisschen kennst, dann weißt du, dass ich niemals mit erhobenem Zeigefinger argumentiere. Das heißt, es geht mir nicht um eine Moral-Diskussion, sondern um die Absurdität des Lebens. Man könnte das Vorgehen nämlich auch genau umgekehrt interpretieren. Er ist nicht antikapitalistisch, sondern unsozial, denn er fügt ja einem Unternehmen Schaden zu. Und diesen Schaden muss er dann gemeinsam mit allen anderen selbst zahlen. Bei einigen Pseudo-Spirituellen läuft das dann unter dem Motto: "Karma is a bitch." Das ist aber vollkommener Schwachsinn. Das ist keine Bestrafung. Es gibt auch keinen Gott, der über die Einhaltung von Regeln wacht. Das ist einfach die Unmöglichkeit von Leben und die Unmöglichkeit eines Urteils darüber. Unsere Urteile, die durch Schubladen entstehen, machen es uns nicht nur einfach, sondern überhaupt erst möglich zu argumentieren. Diese Argumentationen sind immer falsch, weil die Schubladen und die Urteile von Anfang an falsch sind. So kämpfen Linke gegen Rechte, Kapitalisten gegen Sozialisten, Reiche gegen Arme, Böse gegen Gute. Und das ist nie richtig. Nicht im moralischen Sinn, sondern es stimmt einfach nicht. Was dagegen stimmt, ist: Menschen kämpfen und sie suchen einen Grund dafür. Und diesen Grund, kämpfen zu dürfen, suchen sie aufgrund von Frustration, nicht weil die Welt wirklich innerhalb dieser Schubladen existiert, die sie definiert haben. Sie brauchen diese Schubladen nur als Begründung.