Entscheidungen, die aus dem Verstand kommen, sind keine. Das heutige Zitat ergibt sich erst aus dem, was ich jetzt dann erzähle. Es ist meine Antwort auf die Frage einer Teilnehmerin aus der Intensiventbildung. Ich gehe natürlich nicht auf die Details ein. Nur so viel: Sie hat geschrieben, dass sie sich ständig anpasst und das nur, um andere zu kontrollieren. Dadurch fühlt auch sie sich unfrei. Ich habe ihr Folgendes geantwortet: Niemand kann dir sagen, wann es zu viel ist, wann es reicht. Ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ich meine Traumata nur fühlen und erkennen kann, wenn ich durch andere damit konfrontiert werde. Wenn ich jedes Mal sagen würde: “Jetzt reicht es aber!", würde ich nie an die Gefühle rankommen. Nach außen erscheint das als langsam, weil ich vieles erst nach Monaten oder Jahren verstehe. Ich bin lieber langsam, als mich zu überfordern und Entscheidungen aus dem Kopf zu treffen. Wenn die Entscheidungen dann feststehen, dann sind sie unumkehrbar und ich bereue sie auch nicht. Bis dahin habe ich sie entweder verdrängt oder sie haben mich ultimativ herausgefordert. Einen von außen oder innen als richtig erkannten Weg gibt es immer nur im Nachhinein, nie im Voraus. Alles andere sind linksradikale innere und äußere Klugscheißer. Sie hat sich dann bei mir bedankt, dass ich geschrieben habe, dass es nach außen als langsam erscheint und sie merkt, dass sie auch damit hadert, mit dem langsamen Weg. Nach dem Motto: "Wenn das jemand sehen würde, da würden 99 % mich in lauter Spiri-Kurse, Therapien und Übungen stecken, um mein Leid zu beenden." Und ich habe ihr darauf Folgendes geantwortet: Langsam ist nicht das Gegenteil von schnell, sondern eine Bewertung des Verstandes. In Wahrheit hast du gar keinen Vergleich. Du kennst ja gar niemanden, der so ehrlich über solche Prozesse berichtet, dass du es vergleichen könntest. Und selbst wenn, dann müsstest du erst einmal schauen, wie programmiert die sind und ob es eine echte Lösung ist oder nur ein Quick Fix. Ich sage es immer wieder gerne: "99 % der angeblichen Spiris haben keinen blassen Schimmer. Sie sind mit ihrer linken Gehirnhälfte in die Spiritualität geschlittert und bearbeiten jetzt mit der linken Gehirnhälfte ihre rechte." Das ist so komisch, dass man eigentlich laut darüber lachen könnte, wenn die es dann nicht auch noch schaffen würden, mit diesem Scheiß unsere Traumata zu triggern, weil wir das 'Links bearbeitet rechts' ja sehr gut aus unserer Kindheit kennen. Wenn das jemand sehen würde, würde er entweder auf sich selbst zurückgeworfen werden und sich in dir erkennen oder er würde linksradikale Tipps geben. Nur Vollidioten, die absolut gar nichts bei sich selbst erkannt haben, haben kluge Ratschläge für dich und bieten dir einen schnelleren Weg an. Leid wird nicht durch eine Übung beendet, sondern durch die Erkenntnis, dass es schon immer innerlich konstruiert war. Du bist an einem viel bewussteren Punkt angekommen. Du kannst ihn hören. Überforderung kommt aus dem Wunsch nach Geschwindigkeit. Wenn du da sein darfst, wo du bist, entspannt sich etwas. Anspannung kann nur durch den Gedankenkreislauf mit endlosem Gelaber aufrechterhalten werden. Es ist immer das Gegenteil von dem, was dir dein Verstand erzählt. Und wenn dir andere ungefragte Tipps geben, dann kommen die genau von dort: Aus dem Verstand derjenigen, die ihre Klappe nicht halten können. Entscheidungen, die aus dem Verstand kommen, sind keine. Zumindest sind es keine guten Entscheidungen. Die guten Entscheidungen sind eindeutig, klar und selbst dann unumkehrbar, wenn sie schmerzhaft sind. Die Idee, dass es andere drauf hätten, dass bei anderen alles glatt läuft, ist ein Trugschluss. Es stimmt einfach nicht. Wir bilden uns das ein. Manchmal vielleicht aufgrund der äußeren Erscheinung der anderen, weil sie eine bestimmte Rolle spielen, die uns glaubwürdig erscheint. Aber sie ist nicht echt und sie ist zum größten Teil unsere Erfindung. Wir ziehen Rückschlüsse so wie wir sind, weil wir uns eine äußere heile Welt vorstellen wollen. Das heißt nicht, dass das stimmt. Das ist nur unsere bevorzugte Kurzschlussreaktion immer dann, wenn es uns nicht so gut geht. Bleib in der von dir erlebten Realität. Dieses 'in der Realität bleiben' erscheint anfangs schwierig und es ist auch herausfordernd. Mehr und mehr regeln sich die Dinge dadurch aber automatisch und ohne dein Eingreifen. Die linke Gehirnhälfte sagt dir: "Du bist passiv. Du greifst nicht oft genug ein. Du sagst nichts. Du müsstest mehr tun." Der Verstand redet einfach die ganze Zeit, während die rechte Gehirnhälfte längst alles organisiert. Das läuft aber nicht bewusst. Davon musst du auch gar nichts mitbekommen. Es ist Gott, der im Verborgenen arbeitet.