Solange dir die Welt etwas schuldig ist, bist du ein Opfer. Das ist kein Vorwurf und diese Opferhaltung kannst du auch nicht leicht verlassen. Die meisten Menschen denken, dass ihnen andere, die Gesellschaft, die Welt etwas schuldig sind. Diese Idee ist der wichtigste Grund für unsere Opferhaltung. Hinter dieser Idee stehen Gefühle, steht unser Trauma. Es ist nicht die Idee, an die wir glauben und von der wir überzeugt sind, auch wenn es das ist, was wir im Vordergrund wahrnehmen. Damit verdrängen wir nur ein Gefühl, das dadurch, also durch diese Idee, in den Hintergrund rückt. Würdest du diesem Gefühl einen Namen geben, so wäre das sehr wahrscheinlich irgendetwas in Richtung Selbstzweifel und auch Selbstmitleid. Es ist der Eindruck der eigenen Wirkungslosigkeit. Für diesen Eindruck kannst du nichts, an dem bist du nicht schuld, den hat man dir gegeben. Andere haben dafür gesorgt, dass du den Eindruck bekommst, du könntest nichts bewegen, du bist von anderen abhängig und auf deren Wohlwollen angewiesen. Es bringt dir aber auch nichts, wenn dir andere erklären, dass es anders ist und dass das keine Fakten sind, von denen du ausgehst, weil das Gefühl nicht auf Fakten beruht. Das Gefühl beruht auf dem, was du erlebt hast. Es kommt nicht von Gedanken und Fakten, sondern davon, dass du dich tatsächlich ohnmächtig gefühlt hast. Dieses Gefühl bekommst du zum Beispiel dann, wenn dir verboten wird, dich entsprechend deiner Neigungen, Gaben und Fähigkeiten zu entwickeln. Du bekommst dadurch den Eindruck, die Welt hätte dir verboten, du zu sein. Das sind keine geistigen Vorgänge, sondern rein emotionale Vorgänge. Und so fühlst du dich irgendwann abhängig von der Welt, ihrer Zustimmung und ihrer Hilfe. Und jetzt kommt etwas sehr Verrücktes! Denn die Welt kann dir gar nicht helfen, selbst wenn sie dir helfen wollen würde. Jede Hilfe, die du von der Welt bekommst, ist keine. Jede äußere Hilfe bringt dich nicht dorthin zurück, wo du durch andere von dir getrennt wurdest. Jede äußere Hilfe kann die gefühlte Leere nur temporär beheben. Wenn du dich auf dieses Spiel einlässt und wir alle lassen uns auf dieses Spiel ein, dann bist du süchtig. Süchtig nach dem Stoff, der von außen kommt und den du dir selbst nicht geben kannst. Denkst du zumindest, weil du dich so fühlst! Deshalb gibt es eine große Mode. Deshalb wollen dich alle in die Selbstwirksamkeit bringen. Das ist lustig und verrückt gleichzeitig, denn wenn dich andere in deine Selbstwirksamkeit bringen, dann ist es keine Selbstwirksamkeit. Diese sogenannte Selbstwirksamkeit, was nur bedeutet, dass du erkennst, dass du nicht von außen abhängig bist, musst du selbst erfahren. Dafür musst du sorgen. Und dafür sorgst du nicht dadurch, dass du jetzt plötzlich erfolgreich wirst und keine Hilfe mehr brauchst. Dafür sorgst du, indem du alle deine Gefühle fühlst, wenn du Selbstmitleid fühlst und glaubst, dass dir die Welt etwas schuldig sei. Denn dadurch merkst du, dass das nicht stimmt, dass das nur Gefühle in deinem Körper sind. Und dadurch verschwindet auch deine Opferhaltung. Wenn deine Opferhaltung verschwunden ist, hast du keinen Wunsch mehr, selbstwirksam zu sein. Das Gefühl, ein Opfer zu sein, war der einzige Grund für den Wunsch von Selbstwirksamkeit. Ohne das Gefühl, ein Opfer zu sein, gibt es keinen Wunsch mehr. Du hast Selbstwirksamkeit erfahren, aber nicht im Sinne eines besonderen Erfolges und auch gar nicht nach außen sichtbar. Dein größter Erfolg war, zu erkennen, dass du gar kein Opfer bist und dass dir niemand irgendetwas schuldig ist.