Wenn du Hoffnung auf eine bestimmte Entwicklung hast, dann ist es kein Vertrauen. Wie oft hörst du von Menschen: "Ich vertraue darauf, dass das passiert." Oder: "Ich vertraue darauf, dass das nicht passiert.” Beides ist Hoffnung und kein Vertrauen. Solange du hoffst, vertraust du nicht. Vertrauen macht Hoffnung vollkommen überflüssig. Genau genommen ist es sogar so, dass Vertrauen gar nicht existiert. Denn frei von Misstrauen ist Vertrauen überflüssig. Du hoffst und vertraust nur so lange, wie du auch zweifelst und misstraust. Leider passiert das in der Spiritualität ganz oft, dass wir die Dinge nur schönfärben. Wir benennen sie um und tun dadurch so, als hätte sich Wesentliches verändert, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist. Tatsächlich lehnen wir nur alles Negative in uns ab sofort ab und wollen es besser darstellen. Hoffnung und Vertrauen sind zwei Varianten dieser besseren Darstellung. Hätten wir beides nicht, würde uns unser unfassbares Misstrauen auffallen und uns würde auch klarwerden, wie schlecht es uns dabei geht. Würden wir Misstrauen fühlen, würden wir das erste Mal fühlen, dass das, was wir über Jahrzehnte für normal und sogar für richtig und notwendig gehalten haben, tatsächlich schmerzhaft ist. Misstrauen verursacht Schmerzen. Sobald der Verstand das erkennt, versucht er etwas Absurdes, was schiefgehen muss. Er versucht, die Abwesenheit von Misstrauen künstlich herzustellen und wird dadurch auf eine dumme Art und Weise naiv. Denn diese Naivität ist nicht unschuldig. Sie verfolgt eine Absicht. Dein Verstand hat sie absichtlich initiiert. Das ist also künstlich und alles Künstliche hilft dir nicht. Du kannst Misstrauen nicht künstlich beseitigen. Es gibt nur eine Möglichkeit, wie sich das von ganz alleine reguliert: Indem du alles fühlst, auch den Schmerz deines Misstrauens. Es geht nicht darum, den Schmerz zu vermeiden oder ganz abzuschaffen. Darum geht es nie. Es geht darum, den Schmerz hier sein zu lassen und nicht mehr zu verdrängen. Die künstliche Naivität ist ebenfalls eine Verdrängung. Wenn du das verstanden hast, dann bekommst du einen Einblick in das, was in der spirituellen Szene zum Großteil tatsächlich vor sich geht. Der Verstand behält weiterhin das Zepter in der Hand und versucht alles, was auf natürliche Weise erscheinen und wieder gehen würde, künstlich herzustellen. Deshalb stimmen die meisten Behauptungen, die aufgestellt werden, überhaupt nicht. Deshalb verrennen sich die Menschen in Konzepten und Traumwelten. Nicht deshalb, weil Konzepte und Traumwelten falsch sind, sondern weil der Verstand damit eine Absicht verfolgt. Und nichts verhindert Spiritualität mehr als Absichten des Verstandes. Denn dann wird es inszeniert, gespielt und damit künstlich.