Mitgefühl ist bei den meisten Mitteilungsdrang. Echtes Mitgefühl ist: Ich fühle mit mir mit und rede dir nicht drein. Unser Verstand hat sich in praktische Tipps verliebt. Praktische Tipps sind das Erste, was uns einfällt. Wir meinen, etwas zu wissen und wollen das dem anderen gleich mitteilen. Wir können es keine fünf Sekunden aushalten, nichts zu sagen, nichts zu wissen, keine Ahnung zu haben. Deshalb können wir uns selbst auch nicht beobachten. Wir können gar nicht untersuchen: Woher kommt denn mein Mitteilungsdrang? Ist es möglich, dass ich mit meinem Mitteilungsdrang Gefühle verdränge, die ich hätte, wenn ich nichts sagen würde? Warum halte ich diese Gefühle keine fünf Sekunden aus? Warum muss ich sogar dann etwas sagen, wenn jemand einen anderen fragt? Und warum muss ich das sogar dann tun, wenn vorher gesagt wurde, dass man bitte keine ungebetenen und ungefragten Tipps geben soll? Was treibt mich da an und warum bin ich nicht bereit, das zu untersuchen? Warum will ich den Grund dafür gar nicht wissen? Warum fühle ich mich angegriffen, wenn jemand sagt, dass meine Tipps gerade nicht gefragt sind? Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Beantwortung dieser Fragen würde dein Ego schneller zum Vorschein und vielleicht sogar zum Platzen bringen, als es dir lieb ist. Deshalb wollen sich die wenigsten Menschen mit diesen Fragen konfrontieren. Von sich aus, aus eigenem Antrieb sowieso nicht und falls es andere initiieren, kommt sofort die Abwehr und man findet die doof. Man fühlt sich abgelehnt und ist beleidigt. Falls du ein Maß für Spiritualität brauchst, gibt es ein ganz einfaches. Schau nach, wie schnell du reagieren musst. Beobachte, ob sich jemand zurückhalten kann. Spirituelle Diskussionsgruppen sind keine. Auch das tut dem Ego unfassbar weh. Echte Spiritualität ist, wenn deine Meinung nicht gefragt ist. Etwas, das für die meisten kaum aushaltbar ist. Aber was sollte Spiritualität sein, wenn sich nichts verändert? Ist Spiritualität wirklich einfach nur ein Themenwechsel? Oder geht es um eine substantielle Veränderung in dir? In meinen Retreats fallen mir oft praktische Tipps ein. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass mir diese Tipps selbst einfallen, wenn ich die Wahrheit höre und lebe. Dazu muss ich aber erst einmal bereit sein und mich öffnen, damit ich die Wahrheit hören kann. Nur dann kann ich sie anschließend auch leben. Es gibt ein ganz einfaches Kriterium für Wahrheit: Wahrheit muss dich entspannen. Hör bitte genau hin! Ich habe nicht gesagt, dass sie sich gut oder richtig anfühlen muss. Wahrheit entspannt dich. Dazu musst du verstehen, was gemeint ist. Und das geht nur, wenn du deinen Mitteilungsdrang erst einmal ignorierst. Wenn du sofort deine Meinung kundtust oder sofort praktische Tipps rausknallst, hattest du überhaupt keine Zeit, die Wahrheit zu fühlen. Und du hattest auch keine Zeit zu fühlen, warum du überhaupt reagieren willst. Du hast dein Helfersyndrom noch nicht entlarvt. Dieses Helfersyndrom existiert nicht, weil du so gerne hilfst. Es existiert, weil du so ungern fühlst. Würdest du nicht helfen, müsstest du erst einmal alles fühlen. Du müsstest fühlen, wie es ist, erst einmal nicht einzugreifen, nicht zu helfen. Und dabei würdest du so viele Themen in dir entdecken, die dir so unfassbar unangenehm sind, dass du sofort wieder beginnst zu helfen. Und du behauptest dann, das würdest du aus Mitgefühl tun, während du die ganze Zeit überhaupt nicht fühlst. Du hilfst nämlich wegen dem Gegenteil. Du willst nicht fühlen. Sobald du wirklich mitfühlen kannst und alles fühlst, was in dir auftaucht, wenn der andere dir ein Problem schildert, das er hat, entwickelst du echtes Mitgefühl. Solange du sofort intervenierst und sofort hilfst, kannst du gar kein echtes Mitgefühl entwickeln. Es geht alles viel zu schnell, als dass du es in der kurzen Zeit wirklich beobachten könntest. Üb dich in echtem Mitgefühl und zügle deinen Mitteilungsdrang.