Als Mutter oder Vater lernst du Dinge über dich, die du nie erfahren wolltest. Kinder sind eine Trauma-Erlösungsmöglichkeit. Das sind sie natürlich nicht absichtlich. Sie können gar nicht anders. Jedes Kind erinnert dich an deinen ursprünglichen Zustand. Einfach nur deshalb, weil es selbst in diesem ursprünglichen Zustand ist. Dafür muss es nichts tun. Du musst etwas dafür tun, damit es nicht mehr in diesem Zustand ist. Und alles, was du dafür tust, erinnert dich an dein eigenes Trauma. Es erinnert dich daran, wie schmerzhaft es für dich war. Und die einzige Möglichkeit, dass du das nicht mitbekommst, ist weiterhin Verdrängung. Du musst den Harten oder die Harte spielen. Du musst so tun, als wäre das halt nun mal das Leben. Und das lässt sich alles nicht vermeiden. Du musst dir selbst sagen: "Mir hat es auch nicht geschadet", obwohl es dir geschadet hat. Das kannst du auch ganz einfach feststellen. Schau dich an! Wo stehst du? Was hältst du von dieser Welt? Wo glaubst du, dass wir sind? Ist das hier ein Arbeitsplanet? Wenn ja, wie kommst du auf diese Idee? Wenn nein, warum arbeitest du, obwohl du keinen Spaß daran hast? Das angeblich und scheinbar äußere System ist so tief durch Traumata in uns eingebrannt, dass wir es gar nicht mitbekommen. Und Kinder sind unsere Möglichkeit, das wieder mitzubekommen. Deshalb fordern sie uns so sehr heraus. Nicht weil sie das wollen, sondern weil wir dadurch merken, wie es auch gehen könnte und dem stellen wir uns entgegen. Sie fordern uns heraus, weil sie an unseren Überzeugungen kratzen. Nicht weil sie das wollen, sondern nur weil sie so sind. Sie sind nicht wie wir. Aber wir sorgen dafür, dass sie so werden wie wir. Und wir sorgen nur deshalb dafür, dass sie so werden wie wir, weil wir den Schmerz nicht noch einmal fühlen wollen. Wir würden Schmerzen fühlen, wenn wir das erste Mal seit Langem wieder gegen unsere Programmierung handeln. Und da wir aufgrund unserer Programme im Widerstand mit unseren Kindern sind, sorgen wir dafür, dass sie zu unseren Gegnern oder sogar zu unseren Feinden werden. Sie sind aber nicht unsere Gegner oder Feinde. Sie sind die Gegner und Feinde unserer Programmierung. Sie verstehen nicht, wie wir drauf sind. Sie verstehen nicht, was wir von ihnen verlangen und warum wir das von ihnen verlangen. Und selbst die beste Begründung der Welt sorgt nicht dafür, dass sie den Eindruck bekommen, das sei gerechtfertigt und normal. Denn wir sind nicht normal. Wir haben uns nur an die Abnormalität gewöhnt. Das war unser Prozess in unserer Kindheit, der uns genauso weh getan hat wie unseren Kindern. Der Prozess, den sie aufgrund unserer sogenannten Erziehung durchlaufen. Es geht nicht darum, paranoid zu werden und ab sofort bei jeder kleinsten Handlung Angst zu haben, den Kindern irgendetwas zu übertragen. Es geht darum, diejenigen Gefühle im Körper wahrzunehmen, die Kinder in uns auslösen. Diese Gefühle sind unsere Heilung. Wir werden dadurch nicht perfekt, aber wir kommen unseren Kindern ein Stück entgegen. Du lernst durch Kinder vor allem, dass die Welt, wie sie in dir programmiert ist, nicht real ist. Denn jedes Mal, wenn du diese Welt, wie sie in dir existiert, dem Kind gegenüber durchsetzen willst, tut es weh. Das löst Schmerzen aus. Ein Kind zeigt dir, dass du diese Welt, wie sie in dir existiert, nicht ernst nehmen musst. Doch wir geben so ungern unsere Überzeugungen auf. Wir fühlen uns überlegen, weil es diese programmierte Welt in uns gibt. Tatsächlich sind uns die Kinder bei Weitem überlegen. Sie haben noch keine feste Vorstellung. Sie sind flexibel. Sie kreieren. Sie wissen, was sie wollen. Sie sind in dem Zustand von Genies. Das heißt nicht, dass sie alles können oder alles lernen können. Jeder hat andere Begabungen. Es bedeutet, dass sie uns an das Genie in uns erinnern. Und sie erinnern uns auch an den Schmerz, den wir erfahren haben, als dieses Genie abgeschaltet wurde. Als wir es zugunsten unserer primären Bezugspersonen, meistens Vater oder Mutter, selbst unterdrückt haben, weil wir uns lieber an diejenigen anpassen, die wir lieben, selbst wenn sie verrückt sind, als ihnen weh zu tun.