Der Verstand hat ständig Angst davor, dominiert zu werden. Und mit dieser Angst dominiert er dich. Die meisten Menschen nehmen ihr Ego mit in die Spiritualität. Dein Ego sind all deine Programme, deine Muster und deine Ängste. Es sind automatisierte Verhaltensweisen. Spiritualität bedeutet nicht, etwas zu erreichen, sondern genau das zu erkennen. Wenn du zu einem Lehrer gehst und du hast Angst davor, von ihm dominiert zu werden, dann bist du nicht beim richtigen Lehrer. Wenn du bei jedem Lehrer Angst hast, dominiert zu werden, dann bist du nicht bereit für Spiritualität. Spiritualität ist die Erkenntnis und der Wegfall deiner Programme oder zumindest die Tatsache, dass du deine Programme, deine Ängste nicht mehr so ernst nimmst. Der Wunsch, etwas zu gelten, hat in der Spiritualität und bei deinem Lehrer nichts verloren. Ein guter Lehrer hat überhaupt nicht den Drang, dich zu dominieren. Aber das musst als Allererstes du erkennen, denn du hast ja diese Ängste. Und selbstverständlich gibt es auch schlechte Lehrer. Schlechte Lehrer sind für mich keine Lehrer. Das bedeutet, dass deine wesentliche Aufgabe im Bereich der Spiritualität darin besteht, zu erkennen, wer ein guter Lehrer ist. Wer lebt, was er lehrt und dem gegenüber du deine Widerstände loslassen kannst. Wenn du mit deinem Lehrer im Widerstand und im Kampf bist, dann ergibt das zwar ein ganz nettes Unterhaltungsprogramm, bringt dich aber nicht wesentlich weiter. Denn genau dieses Unterhaltungsprogramm kennst du ja schon. So war bisher dein ganzes Leben: Geprägt von Widerstand, Streit, Stress, Anschuldigungen, Verteidigungen, Rechtfertigungen, Begründungen, Ohnmachtsgefühlen, Wunsch nach Macht und natürlich auch der Angst davor, dominiert zu werden. Und was auch dazu gehört: Andere dominieren zu wollen. Wenn du das in dir nicht erkennen kannst, hat Spiritualität absolut keinen Wert. Solange du mit deinen üblichen Programmen in die Spiritualität wechselst, ist es keine. Es ist dann einfach nur das Gleiche wie vorher nur in Grün. Doch das von vorher kennst du ja schon zur Genüge. Und das vorher war ja auch der Grund, warum du dich überhaupt auf die Suche nach etwas anderem, nach etwas Neuem begeben hast. Das, was vorher war, war der Grund dafür, dass du dich geöffnet hast für etwas anderes. Wenn du jetzt glaubst, Spiritualität sei ein Lifestyle und du müsstest weiterhin dein Ego pflegen, dann hast du kurz vor dem Klo in die Hose gemacht. Selbstverständlich ist das kein Problem. Denn das Klo bleibt sowieso immer in der Nähe und du kannst immer wieder einen neuen Versuch starten. Ich sage das alles nur deshalb, weil mir das Ausmaß dieses Selbstbetrugs bisher nicht klar war. Und wahrscheinlich kenne ich das wahre Ausmaß bis heute nicht. Ich habe es sogar innerhalb meines Teams erlebt. Auch bei Menschen, die sich mit mir austauschen wollten. Und ich sehe es mittlerweile in der gesamten spirituellen Szene. Unsere Verletzungen sind so groß, dass wir uns nicht mehr hingeben können. Wir können Lehrer nicht mehr erkennen. Zu sehr suchen wir im Lehrer etwas, was wir von früher kennen. Wir können ihn nicht als etwas vollkommen Neues akzeptieren. Wir brauchen Muster, auf die wir unsere Schablonen anwenden können. Denken wir zumindest beziehungsweise das ist unser Automatismus. Wenn ein Lehrer mal ein bisschen strenger wird, fühlen wir uns sofort an unseren Vater erinnert und schon beginnen die Programme zu laufen. Oder wir fühlen uns nicht gesehen, nur weil uns jemand nicht heilt und weil uns jemand nicht das Paradies verspricht. Die guten Lehrer zahlen nicht auf dein Ego ein. Alle schlechten Lehrer bauchpinseln dich. Sie erzählen dir das, was du hören willst und nicht das, was du hören musst. Sie wollen es dir leicht machen, was nur bedeuten kann, dass sie es selbst nicht gerne schwer haben. Und das bedeutet, dass sie es nie erlebt haben. Du kannst von ihnen nichts Wesentliches lernen. Sie sind in ihren eigenen spirituellen Konzepten gefangen. Vielleicht haben sie eine ganz nette spirituelle Verkaufsmaschine ans Laufen gebracht. Und diese Verkaufsmaschine hindert sie daran, authentisch zu sein. Sie können aber auch gar nicht authentisch sein, weil sie das, was sie predigen, noch gar nicht erlebt haben. Vor dem Aufstieg kommt die Verzweiflung durch Hingabe oder die Hingabe durch Verzweiflung. Hinterher ist nichts mehr, wie es einmal war. Die Dinge verlieren ihre Wichtigkeit und Bedeutsamkeit. Es ist immer so, wie es gerade ist, auch wenn es gerade nicht schön ist. Wenn es nicht schön ist, ist das kein Zeichen dafür, dass du eine deiner Übungen machen musst. Es ist ein Zeichen dafür, dass du das erleben sollst, wie es gerade ist. Diese Einfachheit können die meisten nicht fassen. Deshalb können sie sie auch nicht lehren. Und die Schüler können sie nicht annehmen. Es klingt zu einfach, um wahr zu sein. Auch dann, wenn alle die richtigen Zitate kennen. Denn jeder gute Spirituelle weiß, dass du im Hier und Jetzt leben sollst. Er weiß auch, dass es ja gar nichts anderes gibt als das Hier und Jetzt. Und dann beobachte die Menschen. An ihrem Verhalten erkennst du, ob sie es wirklich leben. Am allerbesten eignet sich die Beobachtung deines eigenen Verhaltens.