Wir denken, es sei notwendig, dass uns jemand versteht, weil es so schön ist. Aber das sagt ein bedürftiger Verstand. Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass es hilfreich ist für uns, wenn uns andere verstehen. Tatsächlich ist es gar nicht möglich. Und es wurde auch noch nie auf der Notwendigkeitsebene erreicht. Und selbst wenn du es schaffst, dass dich andere verstehen und dir sogar zustimmen, stellt sich die Frage: Was hast du erreicht? Was geschieht durch das Verständnis der anderen in dir? Fühlst du dich bestätigt? Wenn ja, wozu brauchst du Bestätigung? Solange du Bestätigung brauchst, bedeutet das nur, dass du dir unsicher bist. Und unsicher bist du dir nur, wenn du Meinungen und Positionen vertrittst, mit denen du dich nicht auskennst. Auskennen hat nichts mit Darüberlesen zu tun. Du kennst dich aus, sobald du es erlebt hast. Eine Meinung jenseits deines eigenen Erlebens ist überflüssig. Wir alle wollen verstanden werden, weil wir uns nicht sicher sind. Jetzt gibt es etwas Doofes in diesem Bereich, denn es gibt Menschen, die sind überzeugt. Und es gibt Menschen, die glauben sehr an etwas. Und einige von denen wirken auch wirklich sehr sicher. Diese Sicherheit findet aber nur auf einer ganz bestimmten Ebene statt. Ich nenne diese Ebene die Bockigkeitsebene. Du kannst auch Widerstand dazu sagen. Menschen, die versuchen, extrem selbstsicher zu wirken, sind es nicht. Sie ruhen nicht in sich. Sie sind sich ihrer Sache nicht wirklich sicher. Sie versuchen nur den Anschein zu erwecken. Nehmen wir mal an, du könntest das auch erreichen. Was hast du davon, wenn du selbstsicher erscheinst, ohne dass du es bist? Es geht dir also nur um deine Wirkung nach außen und gar nicht um dich. Und da wir tatsächlich unsicher sind, wollen wir, dass uns jemand versteht, ohne dass das für uns irgendeinen Wert hat. Wenn du heilen willst, musst du bereit sein, vollkommen und für immer unverstanden zu sein. Das heißt nicht, dass das so bleibt, aber ohne die Bereitschaft kann es sich nicht ändern. Wenn du dir für dich nicht sicher bist, wie es für dich ist, dann bringt dir die Zustimmung der anderen gar nichts. Und ich meine damit nicht die Sicherheit auf der Bockigkeits- und Widerstandsebene. Ich meine eine Art und Form der Sicherheit, die man niemandem erklären kann. Vielleicht geht es am ehesten so: Es ist die Sicherheit, etwas erlebt zu haben. Das bedeutet nicht, dass du weißt, wie es für die anderen ist. Aber du weißt, was du erlebt hast, dass du es erlebt hast und wie du es erlebt hast. Diese Ebene erreichst du nur mit sehr viel Übung und mit der Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Anderen gegenüber verteidigen musst du dich nur, wenn du dir nicht sicher bist. Und unsicher bist du dir, wenn du es nicht wirklich erlebt hast. Und um es nicht wirklich zu erleben, musst du im Kopf sein. Du musst darüber nachdenken, statt es zu fühlen. Wenn du es fühlst, hast du es erlebt. Wenn du es denkst, hast du es nicht erlebt. Nach Verständnis von anderen zu lechzen, macht dich instabil, weil du nach außen orientiert bist. Es ist die größte Instabilität und Unsicherheit, die es gibt, weil sie dich abhängig macht, abhängig von anderen. Es ist eine der größten Freiheiten, wenn dich niemand verstehen muss. Und nur dann gibt es die Möglichkeit, dass dich Menschen verstehen wollen.