Deine Eltern kommen dir wie Heimat vor, ganz egal, was du dabei fühlst. Deine Eltern kommen dir wie Heimat vor, auch wenn es sich nicht wie Heimat anfühlt. Sie sind die einzige feste Größe und der einzige Bezugspunkt, den du kennst. Auch dann, wenn dieser Bezugspunkt irre ist. In diesem Fall hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du passt dich an oder du bist damit im Widerstand. Doch auch und gerade im Widerstand zu den Eltern, sind sie und bleiben sie die einzig relevante Bezugsgröße. Gegen etwas zu sein und gegen etwas zu kämpfen, bedeutet immer auch, seine Relevanz für dich anzuerkennen. Absetzen und abheben kannst du dich nur im Vergleich zu etwas. Und um dich vergleichen zu können, musst du dem Gegenpol Macht geben. Wenn du dich anpasst, wirst du deine Eltern immer verteidigen. Wenn du dich nicht anpasst und in den Widerstand gehst, wirst du immer ein schlechtes Gewissen haben und denken, dass du schwierig bist, dass man mit dir nicht klarkommen kann. Und du willst dich immer noch rechtfertigen, als wäre es notwendig und als hätten deine Eltern den richtigen Standpunkt. All das geschieht auch unbewusst. Es kann dir klar sein, aber es kann genauso gut ein unbewusster Mechanismus sein. In der Regel sind all das keine bewussten Vorgänge, in die du eingreifen kannst. Es sind unbewusste Muster und Mechanismen, die du durch Gedanken nicht auflösen kannst. Sie sind nämlich auch nicht durch Gedanken entstanden. Sie haben sich durch das Verhalten und die Energie deiner Eltern in dich eingebrannt. Dort sind sie auch dann, wenn du sie nicht bewusst wahrnimmst. Aufdecken kannst du sie nur dadurch, dass du sie bewusst wahrnimmst. Und das ist ein richtig schmerzhafter Prozess. Denn dadurch wird dir klar, wie sehr du das Urteil und die Haltung deiner Eltern dir selbst gegenüber übernommen hast. Du behandelst dich in dir unbewusst immer noch so, wie dich deine Eltern behandelt haben. Du glaubst das, was sie dir über dich gesagt haben, weil du es glauben musstest. Erstens, weil du von ihnen abhängig warst. Und zweitens, weil dir eine alternative Quelle als Referenz gefehlt hat. So sind deine Eltern zur einzigen Heimat geworden, die du kennst. Und das, was du von deinen Eltern kennst, fühlt sich vertraut an. Selbst dann, wenn das gar keine schönen Gefühle sind. Ganz egal, ob du das, was deine Eltern in dir auslösen, ablehnst oder ob du dich daran anpasst, es geht immer darum, deine echte Heimat in dir zu finden.