»Menschen wählen nie das, was sie am liebsten mögen. Menschen wählen immer das, was sie am wenigsten fürchten.« Oscar Karem Der Teil, der das wählt, was du am wenigsten fürchtest, der wird Ego genannt. Das bist also gar nicht du, der da wählt. Das sind nicht die Menschen. Das ist die Programmierung. Also nicht das, was wir sind, sondern das, was aus uns geworden ist, wählt das, was wir am wenigsten fürchten. Als Kind ist das vollkommen anders. Da wählen wir, was wir am liebsten mögen. Doch diejenigen, die schon lange das wählen, was sie am wenigsten fürchten, sagen uns, dass wir nicht immer das wählen können, was wir mögen. Schließlich ginge es irgendwann darum, Verantwortung zu übernehmen und außerdem wartet ja der Ernst des Lebens auf dich. Ich suche diesen Ernst immer noch. Und ich kann ihn nicht finden beziehungsweise ich kann ihn nur dort finden, wo Menschen das wählen, was sie am wenigsten fürchten. Ich kann ihn dort sehen, wo Menschen selbst im Angesicht des Todes immer noch das wählen, was sie am wenigsten fürchten. Deshalb können sie gar nichts mögen. Denn wenn sie feststellen würden, was sie am liebsten mögen, dann müssten sie auch feststellen, dass sie sich nicht trauen, das zu wählen. Ich höre das immer wieder: "Aber Stefan, ich weiß nicht, was ich will. Ich weiß nicht, was mir Spaß macht." Und ich verstehe das. Ich verstehe, dass du nicht weißt, was dir Spaß macht. Ich verstehe, dass du nicht weißt, was du am liebsten magst. Das liegt aber nicht daran, dass du es nicht weißt oder nicht wissen könntest. Es liegt auch nicht an den geringen Möglichkeiten. Es liegt an Folgendem: Wenn du es wüsstest, würdest du dich nicht trauen, es zu wählen, weil du dich fürchtest. Deshalb darf es dir gar nicht auffallen. Und falls es dir doch auffällt, wirst du es sofort wieder verdrängen, weil es zu gefährlich ist. Es ist also sogar wahrscheinlich, dass es dir schon öfter aufgefallen ist. Aber dir ist nicht aufgefallen, dass es dir aufgefallen ist. Du hast es sofort als unmöglich, unrealistisch oder viel zu gefährlich abgestempelt. Fürchte dich nicht vor dem, was du wählen würdest, wenn du das wählen könntest, was du am liebsten magst.