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    23.5.2024AQ 2372
    »Alle Ereignisse werden nachträglich umgedeutet.«
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    Alle Ereignisse werden nachträglich umgedeutet. Wir machen das im Kleinen wie im Großen. Hinterher sprechen wir anders darüber, als wir währenddessen darüber gesprochen hätten, wenn wir überhaupt dazu in der Lage gewesen wären. Und wir verfälschen vor allem dann die Erzählung und das Erlebte, wenn wir versuchen, es korrekt zu erzählen. Denn bei der korrekten Erzählung orientieren wir uns an den Fakten, an den Worten und nicht an unseren Gefühlen. Außerdem verfälschen wir unsere Erzählungen durch unsere Absicht. Denn in den meisten Fällen verbinden wir mit der Erzählung eine Absicht. Wir wollen etwas damit erreichen und damit wir das erreichen, erzählen wir die Geschichte auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Man könnte das auch Manipulation nennen, selbst dann, wenn es uns in den meisten Fällen gar nicht bewusst ist. Manipulation ist auch per se nichts Schlechtes. Es hängt davon ab, in welche Richtung ich manipulieren möchte. Manipuliere ich zu meinen Gunsten, ist es in der Regel nicht wirklich etwas Gutes. Manipuliere ich mit meiner Erzählung der Geschichte so, dass es für den anderen ist, dann ist es durchweg positiv. Dann ist es sogar egal, ob die Geschichte stimmt oder nicht. In den meisten Fällen werden Ereignisse aber so nachträglich umgedeutet, dass sie zu deinem Nachteil sind. Es wird versucht, dich in eine ganz bestimmte Richtung zu manipulieren. Du sollst etwas Bestimmtes glauben, um entsprechend zu handeln. Und diese Handlung hat in der Regel einen Vorteil für denjenigen, der dir die Geschichte erzählt. Die Geschichten können dabei kleine Geschichten sein und es kann die größte aller Geschichten sein. Wir nennen das “unsere Geschichte". Und wir meinen damit unsere Vergangenheit, also das Leben unserer Vorfahren, unserer Ahnen. Und von diesem Leben erzählen uns nicht unsere Vorfahren und Ahnen, sondern andere. Das machen sie, weil sie es studiert haben. Und die meisten können sich nicht vorstellen, dass es sein könnte, dass jemand die Geschichten zu seinem Vorteil und zum Nachteil der anderen verfälscht. Wenn du dich und andere genau beobachtest, dann weißt du aber, wie wir so drauf sind. Dann kennst du dich und uns. Und dann weißt du, dass sogar du schon einmal eine Geschichte zu deinem Vorteil verfälscht hast. Und wenn das im Kleinen geht, dann gibt es das auch im Großen und sogar im ganz großen Stil. Wenn du dann noch beobachtest, wie oft du authentisch bist und wie oft andere authentisch sind, dann merkst du, dass es schon im Kleinen nur ganz selten der Fall ist. Dann kannst du dir auch vorstellen, wie es im Großen tatsächlich zugeht. Such dir einen Geschichtenerzähler, der es gut mit dir meint. Das Gegenteil hast du schon so oft erlebt, dass du trotzdem immer noch daran glaubst.