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    21.5.2024AQ 2370
    »Echte gelebte Praxis ist es nur dann, wenn jede Belohnung wegfällt.«
    0:007:58
    Echte gelebte Praxis ist es nur dann, wenn jede Belohnung wegfällt. Da wir als Kinder dressiert wurden, haben wir bisher alles für die Belohnung getan. Und so versuchen wir auch unsere Wünsche zu erfüllen. Wir erfüllen die Wünsche nicht um des Wunsches willen. Wir erfüllen sie um der Belohnung willen. Wir erwarten ein Ergebnis. Es muss sich lohnen. Und wenn es sich nicht lohnt, hat sich der ganze Aufwand nicht rentiert. Wir hätten es uns also sparen können. Allerdings nur, weil wir ausschließlich auf die Belohnung fixiert waren. Deswegen haben wir den Weg nicht bewusst erlebt. Es ging uns ja nur um die Belohnung. Wir wollten das, was wir getan haben, gar nicht wirklich tun. Wir wollten es nur tun, um uns anschließend die Belohnung abzuholen. Die tatsächliche Belohnung liegt im Weg, nicht im Ergebnis. Und nichts hält uns so sehr davon ab, den Weg zu genießen, wie die Aussicht auf eine Belohnung. Unsere Aufmerksamkeit liegt dann die ganze Zeit auf dem gewünschten Ergebnis und nicht auf dem, was wir auf dem Weg dorthin erleben. Das ist auch das einzige Problem mit oder in der Spiritualität. Viele Menschen wollen spirituell sein, um sich anschließend die Belohnung abzuholen. Es gibt keine Belohnung für Spiritualität. Die Belohnung ist deine gelebte Praxis und die darf nicht vom Ergebnis abhängig sein. Solange du etwas für die Belohnung machst, machst du es nicht wirklich. Du bist dann nicht wirklich bei der Sache, du bist nicht präsent. Und du kannst auch gar nicht überprüfen, ob du das, was du tust, nur für die Belohnung machst oder ob du es auch tun würdest, wenn die Belohnung wegfallen würde. Deshalb ist der Wegfall der Belohnung der beste Test, ob du auf die gelebte Praxis Lust hast. Wenn der Wegfall der Belohnung für Unlust sorgt, dann ist es extrem wahrscheinlich, dass du auf die gelebte Praxis überhaupt keine Lust hast. Dann hat dich nur die Belohnung gereizt, nicht aber das, was du tun musst, um die Belohnung zu bekommen. Wenn etwas gelebte Praxis ist für dich, dann kannst du trotzdem noch enttäuscht sein, aber die Enttäuschung ist kein Problem. Denn du machst es ja wirklich, weil du es willst. Du machst es nicht für ein Ziel in der Zukunft. Je mehr du so lebst, desto mehr merkst du auch, dass es dazu gar keine Alternative gibt. Jede Alternative fühlt sich immer mehr an wie eine kleine Selbstvergewaltigung. Es wird immer schmerzhafter, wenn du denkst, du müsstest dich verstellen. Und es wird auch immer schwieriger, dich mit Zielen und Belohnungen in der Zukunft zu motivieren. Diese Möglichkeiten fallen einfach mit der Zeit weg, weil es dir nicht mehr um den nächsten Moment geht, sondern nur noch um diesen. Und wenn dieser Moment beschissen ist dafür, dass der nächste gut wird, dann ist das ein unfassbar fauler Kompromiss. Es ist übrigens auch ein Kompromiss, der niemals funktionieren wird. Denn während du auf eine Zukunft zustrebst, die positiv werden soll, übst du jetzt gerade, wie es ist, wenn es beschissen ist. Diese Rechnung kann niemals aufgehen. Das heißt übrigens nicht, dass du dich nicht anstrengen darfst. Ganz im Gegenteil. Aber die Anstrengung muss dir bereits Spaß machen. Es muss der Teil sein, der dich erfreut. Es muss das sein, was du in diesem Moment wirklich willst. Ich sage das absichtlich ganz deutlich mit dazu, da der Verstand solche Sätze äußerst trickreich zweckentfremdet. Er verwendet sie entsprechend seines ewigen Wunsches nach Faulheit. Und er entdeckt dabei gar nicht, woher der Wunsch nach Faulheit tatsächlich kommt. Der kommt nämlich von der Überforderung mit Langweiligem. Der kommt daher, dass du Dinge machst, die dich nicht reizen und nicht fordern, sprich, die dir überhaupt gar keinen Spaß machen. Und als Ausgleich dazu hättest du gerne Faulsein. Du bist gar nicht faul. Du produzierst dir dieses Faulsein durch deine Beschäftigung mit Dingen, die dir keinen Spaß machen, die dich nicht reizen und die dich nicht herausfordern. Überprüfe es in deiner gelebten Praxis, ob du noch eine Belohnung brauchst. Und überprüfe, ob du dich wirklich einlassen kannst.