»Die perfekte Illusion ist der Glaube an die Realität.« Mario Amenti Eine wie auch immer geartete Realität, auf die wir uns alle einigen können, existiert nicht. Und selbst eine einheitliche äußere Realität wird von verschiedenen Menschen verschieden erfahren. Der Glaube an eine einheitliche, übereinstimmende äußere Realität ist deshalb die perfekte Illusion. Und selbst bei der Realität, die du erfährst, stellt sich die Frage, was das sein soll. Wann ist etwas für dich real? Und was bedeutet das überhaupt? Ist dein Leben untertags realer als deine Träume in der Nacht? Wenn ja, wie und warum legst du das fest? Menschen, die sich über andere Menschen aufregen, können nicht begreifen, dass diese anderen Menschen tatsächlich in einer anderen Realität leben. Sie selbst erfahren das, was sie erleben, nicht so wie wir, wenn wir sie beobachten. Deren Erleben ist subjektiv und unser Erleben ist subjektiv. Wir können zwar sagen: "Das wäre nichts für mich. Das interessiert mich nicht. Das möchte ich nicht machen." Aber wir können uns kein Urteil bilden. Selbst wenn wir das, was die anderen tun, für vollkommen verrückt halten. Und umgekehrt ist das, was wir an anderen schön finden oder was wir generell bewundern, ebenfalls nur für uns so. Der Glaube an eine einheitlich erlebte Realität sorgt für alle Probleme unserer Zeit. Die Idee von einer einheitlichen Realität führt zu der Idee, dass man objektiv bewerten könnte. Und das führt dazu, dass wir denken, wir wüssten, was andere erleben. Und dadurch sind wir der Meinung, wir könnten Lösungen vorschlagen. Und wenn die nicht angenommen werden, dann meinen wir, wir könnten sie zwingen. Wir sehen das sogar als unsere Pflicht. Wenn du ein guter Spiritueller bist, dann protestierst du jetzt natürlich und behauptest, dass das bei dir niemals der Fall wäre. Und vielleicht stimmt das bei Fremden, aber nicht bei Menschen, die dir nahestehen. Du kannst ja mal schauen, wie du mit deinen Kindern umgegangen bist oder wie du aktuell mit ihnen umgehst. Und das ist nur das Spiel im Kleinen. Im Großen willst du dann auch über andere bestimmen. Es ist immer das gleiche Prinzip und es sind immer die gleichen Mechanismen. Nur so kommen Menschen auf die Idee, sie könnten über andere herrschen. Sie könnten bestimmen, was andere Menschen tun sollen, denn sie kennen ja die Realität und können das deshalb einschätzen. Und umgekehrt führt das zu Gehorsam. Wenn wir denken, andere Menschen können unsere Realität einschätzen oder vielleicht sogar besser einschätzen als wir selbst, dann lassen wir über uns bestimmen und wir fügen uns. Als könnten andere erleben, was wir erleben und deshalb bestimmen, was wir zu tun haben! Der Glaube an Herrschaft und der Glaube an Obrigkeit entspringen also der Idee an eine einheitlich gemeinsam erlebte Realität. Die Idee einer gemeinsamen Realität und sogar der Glaube an eine Realität sind aber eine Illusion. Und deshalb ist auch der Glaube an Herrschaft und Obrigkeit eine Illusion. Wenn du in deiner von dir erlebten Realität angekommen bist, dann fällt dieser Glaube ganz automatisch weg. Gar nicht aus Protest, sondern weil es eine Unmöglichkeit ist, daran zu glauben, wenn du es anders erlebst. Wenn dein Glaube an die Realität wegfällt, lösen sich alle Illusionen auf.