Solange du die Gefühle benennen willst, fühlst du sie nicht. Immer wieder sagen mir Menschen: "Stefan, ich fühle so viel, aber ich finde keine Namen für die Gefühle." Oder auch: "Ich fühle genug, aber ich kann die Gefühle nicht benennen." Diese Reaktionen sind eine Ausweichbewegung des Verstandes. Du machst es vielleicht sogar richtig und nimmst die Gefühle als Körperempfindung wahr. Und dann sagt dir dein Verstand: "Aber für diese Körperempfindung finde ich gar keinen Namen. Also stimmt da was nicht." Wenn das wirklich so ist, dann hast du alles richtig gemacht. Denn genau darum geht es. Du musst den Körperempfindungen keine Namen geben. Und mehr noch! Wenn du die Gefühle wirklich als Körperempfindung wahrnimmst, dann kannst du ihnen gar keine Namen geben. Das ist ja der Sinn dabei. Du hältst das Ping-Pong-Spiel zwischen Körperempfindung wahrnehmen und Namen für Gefühle vergeben an. Dein Verstand will selbstverständlich dieses Spiel aufrechterhalten und deshalb fragt er dich: "Ja, und? Wie heißt jetzt dieses Gefühl, das du da fühlst?" Das ist ein Trick des Verstandes, der die dadurch entstehende Meditation nicht zulassen will. Gefühle als Körperempfindung wahrnehmen ist Instant-Meditation. Der Verstand versucht dich immer wieder in seinen Bann zu ziehen und die Aussage oder der Gedanke: "Ich fühl so viel, finde aber keine Namen für meine Gefühle", ist ein solcher Versuch. Er will dich einfach nicht in Ruhe meditieren lassen. Deshalb verkauft er dir seine Gedanken als relevant und äußerst wichtig. Schließlich muss man die Dinge benennen können. Wir sind doch vernunftbegabte Wesen und die Gefühle wollen uns doch etwas sagen! Und das stimmt nicht. Deine Gefühle wollen dir gar nichts sagen. Würden sie dir etwas sagen wollen, wären sie nicht deine Gefühle, sondern dein Verstand. Dein Leben kommuniziert nicht über Gedanken mit dir. Gedanken sind die niedrigste Schwingung und die niedrigste Form der Kommunikation. Der Hauptteil der Kommunikation findet jenseits der Gedanken und jenseits der Worte statt. Und die angenehmste Kommunikation ist die, wenn sie bedingungslos ist und von dir nichts erwartet wird. Und das kannst du üben, denn genau so kannst du mit dir selbst umgehen, wenn du deine Gefühle fühlst. Du fühlst sie bedingungslos, frei von Erwartungen. Du versuchst eben nicht herauszufinden, was sie von dir wollen, sondern nimmst sie so an, wie sie tatsächlich sind. Damit nimmst du ganz automatisch auch dich so an, wie du gerade bist. Ignoriere jeden Gedanken an die Notwendigkeit der Benennung deiner Gefühle. In dem Moment, in dem du deine Gefühle nicht mehr benennen kannst, hast du sie zum ersten Mal wirklich gefühlt. Im Gefühl verschwindet jede Möglichkeit und auch jede Notwendigkeit, Namen für das Gefühl zu vergeben. Es ist der Beginn des Abenteuers ‘Gefühle fühlen’.