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    23.4.2024AQ 2342
    »Leben ist sterben üben.«
    0:006:25
    Leben ist sterben üben. Mit dem heutigen Zitat gewinne ich keinen Instagram-Motivations-Wettbewerb. Und wenn Menschen mit meinen Erkenntnissen nicht klarkommen, denken sie, ich würde absichtlich provozieren. Diejenigen, die am meisten im Widerstand sind, protestieren in den Kommentaren am heftigsten: "Aber Stefan, wie kannst du so was sagen? Das Leben ist doch schön!" Ich habe auch nicht das Gegenteil behauptet. Wenn wir sterben üben nicht schön finden, dann liegt das eben an dem, was noch sterben muss. Und wir wollen uns lieber ablenken. Wir wollen es nicht wahrhaben, dass unser Ego sterben muss und sterben wird. Wir können es nicht mitnehmen und es ist nur am Anfang hilfreich, um dich zu schützen. Denn so ist es entstanden. Als Schutz. Manche denken auch, ich schreibe ab. Tatsächlich schreibe ich ausschließlich aus eigener Erfahrung. Selbst dann, wenn Zitate ähnlich klingen wie die von anderen oder wenn es sie sogar schon gibt. Sie sind trotzdem in mir entstanden. Und dort entstehen sie nicht deshalb, weil ich sie so unfassbar schön oder motivierend finde, sondern immer nur aufgrund meiner Erfahrung. Jesus hat das heutige Zitat anders ausgedrückt. Er hat gesagt: "Das Leben ist eine Brücke und wir bauen unser Haus darauf." Eine Brücke ist für den Übergang. Es macht keinen Sinn, an Brücken festzuhalten, aber es macht sehr viel Sinn, sie zu nutzen. Dein Leben ist dazu da, um loslassen zu üben. Und dieses Loslassen ist eben sehr viel härter, als in der spirituellen Szene gerne getan wird. "Lass es einfach los!", sagen diejenigen, die es selbst nie geübt haben. Sie wollen damit nur einen Prozess für dich abkürzen, den man aber gar nicht abkürzen kann. Dein gesamtes Leben ist dafür da. Du kannst immer wieder sterben üben. Wenn du die tiefe Wahrheit davon nicht fühlst, kann ich dich nicht davon überzeugen. Es gibt keine guten Argumente dafür, außer meine eigene Erfahrung. Das ist im Kern auch keine tolle Erkenntnis. Wer hört so was schon gerne? Noch nicht einmal ich selbst. Und trotzdem ist es eine Erkenntnis, die ich nicht mehr ignorieren kann und meistens auch nicht mehr ignorieren will. Sie bedeutet nicht, dass du dich die ganze Zeit so fühlst, als würdest du sterben. Denn das Ergebnis von sterben üben ist nicht, dich tot zu fühlen. Das Ergebnis von sterben üben ist Lebendigkeit. Das ist eine Lebendigkeit, die nach außen nicht sichtbar werden muss. Aber du fühlst sie. Das heutige Zitat ist also selbst dann hilfreich, wenn es nicht wahr ist. Denn es bedeutet nicht, dass du depressiv wirst und dich ständig so fühlst, als würdest du sterben. Es bedeutet, dass du lebendig wirst. Und zwar nicht künstlich motiviert, sondern in der Tiefe deines Seins. Dort, wo es echt ist. Dort, wo Leben und Sterben eins sind. Übe eine Zeit lang das Sterben, vielleicht ein paar Jahre, und du wirst um das Leben nicht mehr herumkommen.