Depression ist die Interpretation des Verstandes von Körperempfindungen. Depression ist nicht das, was wir denken. Wir denken, Depression ist eine Krankheit. Die tatsächliche Krankheit ist aber unsere Reaktion auf die Depression. Depression wird ja auch oft beschrieben als ein Nichtgefühl beziehungsweise die Abwesenheit von schönen Gefühlen. Einhergehend mit Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Schwäche. Und die häufigste Reaktion auf diese Körperempfindungen ist, dass wir sie wegmachen wollen. Wir wollen sie loswerden. Wir wollen nicht antriebslos sein, was ja einfach nur bedeuten würde: Wir machen nichts. Und dieses Nichtstun verurteilen wir so schnell, dass wir es gar nicht schaffen, es wenigstens mal auszuprobieren. Je stärker die Depression ist, desto mehr werden wir dazu gezwungen, das zu tun, was der Sinn der Depression ist: Nichts tun, keine Aktivität, kein Aktionismus, deine Gefühle nicht ignorieren, sondern entsprechend deiner Gefühle leben. Was eben auch bedeutet, nicht das zu leben, was von dir erwartet wird oder was du von dir erwartest. Das gesamte System ist aber darauf ausgerichtet, dich wieder zu einem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft zu machen. Und zwar so schnell wie möglich. Und das wiederum liegt nicht am System, sondern an uns, an unserem Verstand, der ungeduldig ist, der keine Zeit hat, der nicht abwarten kann, der es noch nicht einmal ausprobieren will, wie es ist, wenn du ein paar Tage oder Wochen nicht aufstehst, wenn du liegen bleibst, was dann passiert, wenn du das tust, was dein Körper von dir verlangt. Das bedeutet, wenn wir nicht mehr ignorieren, was unser Körper fühlt. Dass wir immer aktiv sein sollten und uns keine oder nur wenige Pausen gönnen können, ist eine Sache, die unser Verstand produziert und die nahe am Wahnsinn ist und die uns deshalb auch in den Wahnsinn treibt. Denn dich schwach zu fühlen und dann nicht ausruhen zu können, es dir nicht erlauben können, nichts zu tun, das ist Wahnsinn. Und die meisten sind so wahnsinnig, dass sie den Wahnsinn nicht einmal erkennen können. Sie halten es für so unnormal, sich an ihrer Körperempfindung zu orientieren, dass sie es überhaupt nicht zulassen können, auch nur ansatzweise in diese Richtung zu gehen. Zusätzlich kann uns auch unser Umfeld nicht in diesem Zustand lassen. Sie haben selbst so viel Druck und Anspannung in sich, dass sie nicht sehen können, wenn jemand nichts tut. Und sie wollen und fordern sogar von dir, dass du so schnell wie möglich wieder in den Normalzustand zurückkommst. Und das ohne zu merken, dass der scheinbare Normalzustand alles andere als normal ist. Er ist angespannt, unter Druck, ständig gehetzt. Und wenn unser Körper darauf sinnvollerweise mit Lustlosigkeit reagiert, tun wir alles, um so schnell wie möglich wieder in den gehetzten Zustand zurückzukommen. Und das nur deshalb, weil unser Verstand unsere Körperempfindungen vollkommen falsch interpretiert.