Alle versuchen ihr Licht zu finden. Doch keiner will in die Dunkelheit. Um dein Licht finden zu können, musst du in deine Dunkelheit gehen. Nur durch die Dunkelheit kannst du den Kontrast besonders deutlich sehen. Aber besonders die positive Spiritualität und die positive Psychologie und alle positiven Coaches versuchen dich vor der Dunkelheit zu schützen. Sie versuchen dich von der Dunkelheit wegzubringen, weil sie selbst Angst davor haben. Auch sie wollen ihr eigenes Licht nur finden, um ihre eigene Dunkelheit zu vermeiden. Ein Mensch ist nur dann ganz, wenn er beides sehen kann: Seine Dunkelheit und sein Licht. Wenn er eines von beiden ablehnt oder eines von beiden bevorzugt, kann er sich nicht komplett wahrnehmen. Damit wird er auch andere immer einseitig sehen. Erst wenn er bereit ist, auch die Dunkelheit zu sehen, zu erleben, zu erfahren, wird er sein eigenes Leben und das Leben der anderen als Ganzheit erkennen können. Er wird sehen können, dass die Schatten notwendige Voraussetzung für Erkenntnis sind. Ohne dunkle Schatten keine Selbsterkenntnis. Viele spirituelle Lehrer und Meister beschreiben ihren Erwachens- und Erleuchtungsprozess Prozess genauso. Auch die Zeit vorher war bei vielen von Dunkelheit geprägt und irgendwann waren sie vollkommen bereit, sich auf die Dunkelheit einzulassen und sich sogar komplett von ihr einnehmen zu lassen. Was sie dadurch gefunden haben, war gar nicht unbedingt ihr Licht, sondern das, was schon immer hier war, was aber durch die Suche nach dem Licht und die Vermeidung von Dunkelheit immer verschüttet war und verdrängt wurde. Sie haben das gefunden beziehungsweise wahrgenommen, was schon immer hier war. Unser gesamtes Streben basiert auf der Verdrängung von Dunkelheit. Selbst diejenigen, die nicht nach Licht und Liebe streben, versuchen mit ihren Wünschen und sogar mit der Aufrechterhaltung der Normalität die Dunkelheit zu verdrängen. Sie ist ein Aspekt, der in unserer Gesellschaft nicht gerne gesehen wird. Und alle Hilfsmaßnahmen für Menschen, die davon betroffen sind, laufen darauf hinaus, die Dunkelheit wegzuschieben oder wir versuchen sie künstlich zu erleuchten. Beides ist nicht hilfreich. Nur wenn du die Dunkelheit bewusst erlebst, kommst du dir selbst auf die Schliche. Du entdeckst dadurch, wie du tickst. In der Dunkelheit lernst du dich selbst viel besser kennen. Solange wir die Dunkelheit verdrängen, finden wir auch unser Licht nicht beziehungsweise nur ein künstliches Licht. Ohne die Verdrängung der Dunkelheit erkennen wir uns selbst. Und wir sehen, dass wir jenseits von Dunkelheit und Licht bereits existieren.