Echte Freiheit ist nur über den Tod des Egos zu erreichen. Das klingt erst einmal abstrakt und vielleicht kannst du damit nichts anfangen. Es bedeutet aber etwas ganz Einfaches: Um frei zu sein, musst du bewusst und absichtlich viele Schmerzen fühlen. Jetzt könntest du dich fragen: "Warum ist das notwendig? Wieso sollte ich mich dem Schmerz ausliefern? Das ist doch alles so schlimm! Ich will doch in Glück und in Freude leben." Und das ist nur allzu verständlich. Das Problem ist: Dein bisheriges Leben, dein bisheriges Leitsystem, ist nicht echt. Dein Ego ist ein falsches Leitsystem. Und um zu deinem ursprünglichen Leitsystem zurückzufinden, musst du Entscheidungen treffen, die dein Ego, also dein bisheriges Leitsystem, unter allen Umständen verhindern möchte. Du musst Entscheidungen treffen, bei denen dir dein Ego sagt: "Jetzt bist du endgültig ein schlechter Mensch!" Das stimmt zwar nicht, aber in diesen Momenten wird es dir dein Ego, deine Programmierung, glaubhaft versichern. Und um frei zu sein, musst du dich nicht nur einmal gegen dein Ego entscheiden, sondern hunderte Male. Denn du musst herausfinden: Was ist dein echtes Leitsystem und was ist anerzogen, programmiert, erfunden? Das geht aber nur, indem du es ausprobierst. Du musst dich, dein Ego, deine Programmierung herausfordern. Und du musst wie bei jedem guten Lernprozess bereit sein, Fehler zu machen, sprich, dich falsch zu entscheiden. Das muss eine Möglichkeit sein. Du darfst es nicht verhindern, nur weil du überzeugt bist, jetzt einen Fehler zu machen. Du wirst Fehler machen. Das steht von vornherein fest. Es gibt kaum ein Kind, das laufen gelernt hat, ohne zu fallen. Und du wirst nicht frei werden ohne Fehler. Welche Entscheidungen das sind, die du gegen dein Ego treffen musst, kann dir niemand sagen. Das kannst nur du herausfinden. Das kann niemand für dich machen. Um das zu tun, musst du sehr wach und aufmerksam sein, weil sich das Ego auch gerne mal verkleidet. Es tut so, als wäre es gar nicht das Ego und als wäre es längst erleuchtet und vollkommen wach und klar. Durch diese Experimente und durch diese Herausforderung deines Egos wirst du die Grenzen deines Egos erweitern. Allerdings nur in den wenigsten Fällen von heute auf morgen. So etwas nimmt Jahre in Anspruch. Wenn es dir schwerfällt, das zu ertragen, wenn du glaubst, es müsste schneller gehen, dann kannst du das so sehen: Dein Umfeld hatte 18 Jahre Zeit, dich zu programmieren. Jetzt hast du 18 Jahre Zeit, um zu erwachen. Du hast keine Eile, denn das war das Einzige, was du in diesem Leben erreichen wolltest. Es gibt nichts anderes, was sich zu erreichen lohnt. Du hattest auch nie etwas anderes vor. Du bist nicht hierhergekommen, um materielle Fülle zu erwirtschaften, um einen Status zu erreichen, um Macht zu erlangen oder sonst irgendetwas. Alles, was in diesem Bereich passiert, ist maximal Mittel zum Zweck, aber nie dein eigentliches Ziel. Bei der Erweiterung der Grenzen deines Egos fühlst du Schmerz. Das könnte man auch als Tod bezeichnen, wenn du diesen Schmerz zulässt. Tatsächlich stirbt nichts. Zumindest stirbt nichts Wesentliches. Das, was du bist, stirbt ganz sicher nicht. Aber das, was du nicht bist, was künstlich war, das muss sterben. Und je länger du das machst, desto mehr fühlt sich das nicht wie ein Tod, sondern wie eine Weitung, eine Erweiterung, an. Dein Ego wird durchlässiger. Du wirst weiter. Du weitest dich. Das heißt nicht, dass du beliebig wirst. Aber an Stelle deines bisherigen unechten Leitsystems tritt das echte. Der Tod des Egos ist nichts Abstraktes, sondern etwas ganz Praktisches. Und er versetzt dich in die Lage, deine falsche Welt zu verlassen und frei zu sein.