Trauma hat einen sich selbst schützenden Effekt. Es will nicht entdeckt werden. Damit es ganz sicher nicht entdeckt wird, sagt Trauma etwas sehr Einfaches, aber Wirkungsvolles. Es sagt: "Die anderen sind schuld!" Es sucht den Grund für das Trauma dort, wo es herkam, außerhalb von dir. Von dort kam es aber vor so langer Zeit, dass es dort jetzt nicht mehr zu finden ist. Jeder Schmerz, den du jetzt fühlst, wird in dir ausgelöst. Er kommt von anderen, aber nicht von den anderen, die jetzt gerade da sind. Dieser Schmerz ist durch Veränderung der äußeren Umstände nicht wegzubekommen. Er ist in dir verankert und kann auch nur dort bearbeitet werden. Die Bearbeitung geschieht nicht durch Arbeit. Die Bearbeitung geschieht durch Wahrnehmen dessen, was hier ist. Selbst dann, wenn sich das unaushaltbar anfühlt, und vor allem dann, wenn der Verstand jede Menge Argumente findet, warum du diese Situation ganz dringend verändern oder verlassen musst. Die andere Möglichkeit ist nur weitere Verdrängung. Und das wird zum Beispiel in der Therapie gemacht. Das ist auch nicht verkehrt. Es wird versucht, dass du wieder ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft wirst, indem der Schmerz wieder verdrängt wird. Manchmal ist das sogar notwendig. Und zwar nicht, um dich wieder zu einem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft zu machen, sondern damit nicht dein gesamtes Trauma auf einmal getriggert wird. Es ist aber wichtig zu erkennen, dass das Zulassen des Schmerzes und das Zurückdrängen des Schmerzes die einzigen Regulationsmöglichkeiten sind. Trauma selbst ist die Regulierung des Schmerzes. Wir haben Methoden gefunden, wie wir den Schmerz unterdrücken und verdrängen. Das war nicht bewusst, sondern unbewusst. Aber wir haben diese Methoden für uns gefunden. Die musste uns niemand zeigen. Die haben wir uns höchstens unbewusst abgeschaut und oft unter Verwendung unserer gesamten Kreativität angeeignet. Die stärkeren Ausprägungen dieser Lösung nennen wir Sucht oder wir geben ihnen den Namen von Krankheiten. Wir bezeichnen sie als psychische Störung. All das ist nicht wirklich hilfreich, denn es beinhaltet eher einen Vorwurf als eine Lösung. Der erste Schritt für eine Lösung ist, anzuerkennen, dass wir eine gute Lösung gefunden haben. Die ist nicht verkehrt, sondern hilfreich und effektiv. Ohne diese Anerkennung entsteht ein Kampf mit dem Trauma. Und das ist nicht hilfreich. Denn dieser Kampf führt einfach nur das alte Trauma fort. Wir machen uns oder andere dafür verantwortlich und verurteilen die anderen oder uns. Und so schützt sich das Trauma wieder selbst. Bei der Heilung von Trauma können andere Menschen hilfreich sein, aber sie sind keine Voraussetzung. Denn es findet alles in deiner Innenwelt statt und in diese Innenwelt hat keiner einen besseren Zugang als du. Wenn du bereit bist, zeigen sich die Wege und Methoden von ganz alleine. Mach dich deshalb nicht mit der Suche nach einer Lösung verrückt. Experimentiere in Freude. Und nimm jede Körperempfindung als Einladung, nach innen zu gehen.