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    9.4.2024AQ 2328
    »Zwang basiert immer auf Lügen.«
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    »Zwang basiert immer auf Lügen.« Ricardo Leppe Den meisten Eltern ist gar nicht klar, wie sehr ihr Zwang auf Lügen basiert. Es sind meistens vollkommen unbewusste Lügen und diese Lügen sind die schlimmsten, weil sie von den Erwachsenen nicht entdeckt werden können. Es gibt kaum etwas Schwierigeres, als Unbewusstes bewusst zu machen, denn du weißt ja nicht, dass es dir nicht bewusst ist. Und du denkst und behauptest, du liegst mit deiner Einschätzung, Meinung, Haltung richtig. Du kannst noch nicht verstehen und noch nicht sehen, dass alles, was du denkst, dass richtig sei, genauso gut falsch sein kann. Zusätzlich verkürzen wir die Zusammenhänge in den Erklärungen für unsere Kinder. Wir sagen ihnen zum Beispiel: "Du musst in die Schule gehen, weil es die Schulpflicht gibt." Und wir tun für uns selbst so, als gäbe es keine Alternative. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Wir lügen auch dann, wenn wir nicht bewusst lügen. Wir glauben vielleicht selbst daran, weil wir indoktriniert sind und das nicht erkennen wollen oder nicht erkennen können. Und so gibt es viele weitere Lügen, die wir unseren Kindern erzählen. Eine davon ist zum Beispiel, dass uns die Schule auch gut getan hat und geholfen hat, während wir einfach verdrängen, was wir da tatsächlich erlebt haben. Das bedeutet aber überhaupt nicht, dass wir den Kindern die Schule ausreden sollten. Es bedeutet nur, dass wir ihnen die Wahrheit sagen können. Wir könnten zum Beispiel sagen: "In Deutschland gibt es leider die Schulpflicht. Und wenn ich dich nicht in die Schule schicke und wenn du nicht in die Schule gehst, dann bekomme ich einen Brief von der Regierung. Und wenn du länger nicht in die Schule gehst, muss ich irgendwann eine Strafe zahlen und irgendwann gibt es eine Gerichtsverhandlung. Und das ist der Grund, warum ich dich in die Schule schicke." Es geht gar nicht darum, dass wir die Umstände für unsere Kinder verändern müssen beziehungsweise nur die grundlegendsten Umstände. Und der grundlegendste Umstand ist nicht, dass sich der Staat in unser Privatleben einmischt. Der grundlegendste Umstand ist, dass wir unsere Kinder belügen. Wir versuchen ihnen das schmackhaft zu machen, was uns selbst nicht schmeckt oder geschmeckt hat. Und ja, das kannst du selbstverständlich auch im Bereich des Essens realisieren, dass das tatsächlich so ist. Vielleicht mochtest du selbst keinen Spinat und jetzt sagst du deinem Kind, dass der lecker schmeckt, obwohl er dir als Kind auch nicht geschmeckt hat. Ich kann gar nicht so viele Beispiele aufzählen, wie es Möglichkeiten gibt, unsere Kinder zu belügen. Aber diese Lügen unseren Kindern gegenüber sind der einzige Grund, warum wir sie zwingen wollen oder denken zu müssen. Würden wir mit unseren Kindern offen und ehrlich sprechen, wie es uns tatsächlich damit geht, wie es für uns als Kind war und warum wir jetzt so handeln, wie wir handeln, würden uns unsere Kinder verstehen. Und es bräuchte überhaupt keinen Zwang mehr, denn sie würden es uns zuliebe tun. Außerdem hat das noch einen zweiten Effekt, wenn wir ehrlich werden. Wir werden dann nämlich nicht nur ehrlich unseren Kindern gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber. Wir würden auch uns selbst nicht mehr belügen und würden deshalb auf kreativere Lösungen kommen. Wir hätten unser eigenes Denken befreit und sind deshalb plötzlich auch frei in unseren Wahlmöglichkeiten. Wir könnten plötzlich kreativ werden. Und wir würden diese Kreativität sogar genießen. Wenn wir unsere eigene Indoktrination erkennen, wären wir lockerer zu unseren Kindern, weil wir lockerer mit uns wären. Wir müssten keinen Zwang mehr ausüben aufgrund von Lügen — weder uns noch unseren Kindern gegenüber. Ohne Lügen gibt es keine Notwendigkeit für Zwang. Denn ohne Lügen bist du frei und ein freier Mensch übt keinen Zwang aus.