Als alle die Masken aufgesetzt haben, sind sie tatsächlich endgültig gefallen. Während einige dachten, man würde sie nicht sehen und sie könnten sich hinter der Maske verstecken, haben sie sich dadurch deutlicher gezeigt als jemals zuvor. Man konnte sehen, was den Menschen wichtig ist. Es ging ihnen in allererster Linie darum, zu erscheinen, den Schein zu wahren. Für die anderen auf eine bestimmte Art und Weise zu erscheinen: rücksichtsvoll, fürsorglich, vorsichtig, achtsam. Was dabei aber an Verhalten zutage gefördert wurde, war alles andere, nur nicht fürsorglich, achtsam und vorsichtig. Und seltsamerweise hatte das gar nichts damit zu tun, ob sie eine Maske getragen haben oder nicht. Die Masken sind nicht dadurch gefallen, weil jemand eine Maske aufgezogen hat. Die Masken sind gefallen, weil alle eine Maske aufgezogen haben und wie sie diese Maske aufgezogen haben und wie sie sich denen gegenüber verhalten haben, die keine aufhatten. Sie hätten so viel über sich selbst lernen können. Sie hätten zum Beispiel ihre Gedanken beobachten können und diese Gedanken dann auch untersuchen können, und zwar auf ihren Wahrheitsgehalt. Kann ich mir sicher sein, dass der andere rücksichtslos ist? Warum bin ich der Meinung, dass er ein Querdenker ist und was soll das bedeuten? Wer hat mir dieses Wort gegeben? Und woher kommen meine Einstellung, meine Haltung diesem Wort und damit den Menschen gegenüber, denen ich dieses Prädikat verleihe? Wir hätten alle live erleben und lernen können, wie Indoktrination und Propaganda tatsächlich funktionieren. Und wir hätten auch erkennen können, dass es dabei noch nicht einmal darum geht, wer Recht hat, sondern es geht um den Anschein von Rechthaben. Und wie bei jeder guten Propaganda geht es um Angst und Wiederholung. Und das bedeutet eben überhaupt nicht, dass du keine Maske aufziehen darfst. Es bedeutet, dass du dich selbst reflektierst, warum du handelst, warum du andere verurteilst. Und natürlich gab es diese Chance auch für all jene, die keine Masken aufgezogen haben. Auch sie hätten feststellen können, dass sie Opfer von Propaganda sind und warum sie die Maskenträger verurteilen. Die Masken sind nicht nur bei einer speziellen Gruppe gefallen, sondern bei allen. Wir alle hatten die Möglichkeit, uns selbst zu reflektieren und herauszufinden, wie wir funktionieren, wie wir manipulierbar sind, wovor wir Angst haben und warum wir davor Angst haben. Und wir hätten herausfinden können, warum wir nicht sterben wollen und was unser Problem mit dem Tod ist. Die Masken sind gefallen, aber nur bei all jenen, die sich selbst beobachten konnten. Für sie wurde vieles klarer. Für alle anderen wurde es verwirrender, stressiger und aggressiver. Die Masken fallen nicht dadurch, dass du siehst, wie die anderen sind, sondern dadurch, dass du siehst, wie du bist.