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    30.3.2024AQ 2318
    »Solange du etwas glauben musst, kennst du es nicht.«
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    Solange du etwas glauben musst, kennst du es nicht. Das meiste, was wir meinen zu wissen, ist Glaube. Wissenschaft, Religion, Politik, jedes Studium ... außer du hast es erlebt. Die meisten erleben es nicht, während sie es studieren. Während des Studiums und selbst in der Arbeit lernst du auswendig und machst, was dir gesagt wird. Du versuchst, die Anforderungen, die an dich gestellt werden, zu erfüllen. Und so glaubst du nur, dass du weißt, oder du bist vielleicht sogar überzeugt davon. Beides ist kein Wissen. Ein Wissender muss nicht überzeugt sein und er überzeugt auch andere nicht. Wenn Menschen sagen: "Ich glaube das!", oder "Ich bin überzeugt davon, dass!", dann weißt du, dass sie es nicht wissen. Dann weißt du, dass sie es nicht erfahren haben. Mit Erfahrung brauchst du keine Überzeugung. Mit Erfahrung ist dir sogar klar, dass Überzeugung das Gegenteil von Wissen ist. Überzeugung ist aber nicht nur das Gegenteil von Wissen, sie steht ihm zusätzlich sogar auch noch im Weg. Überzeugung verhindert neue Erfahrung. Wenn du überzeugt bist, glaubst du ja schon zu wissen. Also brauchst du nichts Neues mehr zulassen und verweigerst dich ganz automatisch, ohne dass es dir auffällt, neuer Erfahrung. Ich erlebe das regelmäßig in den Kongress-Interviews. Da werden mir Fragen gestellt und ich will gerade antworten und dann kommt ein Zusatz und dieser Zusatz beinhaltet die komplette eigene Überzeugung. Gestern wurde mir zum Beispiel eine Frage zum Thema 'Wahrheit' gestellt und die hörte sich in etwa so an: "Lieber Stefan, gibt es absolute Wahrheit? Also für mich ist das so, dass jeder seine eigene Wahrheit hat. Deshalb glaube ich, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Wie siehst du das?" Sie hat mit der Frage ihre eigene Antwort bereits vorweggenommen. Darauf kann ich und brauche ich auch gar nicht mehr antworten, denn für sie steht ja alles bereits fest. Jemand, der eine Frage so formuliert, ist nicht offen und ich kann ihn auch nicht öffnen. Es ist auch nicht mein Job, einen Interviewer zu öffnen, denn das ist der Job des Interviewers. Ein Interviewer, der nicht offen ist für neue Antworten, ist keiner. Und genauso wie die Menschen glauben zu wissen, glauben sie auch, offen zu sein. Sie kombinieren sogar beides. Sie sind überzeugt und sie sind überzeugt davon, offen zu sein. Beides zusammen geht aber nicht. Wenn ich meinem Lehrer eine Frage stelle, dann habe ich keine Überzeugung. Ich habe noch nicht einmal eine Erwartung an die Antwort. Und die Antwort darf auch scheiße sein, die muss mir nicht gefallen. Dafür ist mein Lehrer nicht da. Mein Lehrer ist dafür da, mich aus dem Konzept zu bringen, denn das bringt mich aus dem Verstand. Und dafür bin ich meinem Lehrer dankbar. Er zerstört meine Überzeugungen und Erwartungen und damit bringt er mich mir selbst näher.