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    15.3.2024AQ 2303
    »Der Drang, die Menschheit zu retten, ist fast immer nur ein Deckmantel für den Drang, sie zu beherrschen.«
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    »Der Drang, die Menschheit zu retten, ist fast immer nur ein Deckmantel für den Drang, sie zu beherrschen.« Henry Mencken Es klingt immer edler, wenn man behauptet, man wolle jemanden, etwas oder am besten gleich ganz viele retten. Das klingt erst einmal wunderschön selbstlos und kaum jemand stellt sich die Frage: Warum will derjenige denn irgendetwas retten? Was gibt es denn zu retten? Und vor allem: Warum will jemand andere retten und nicht sich selbst? Warum beginnt er bei anderen und nicht bei sich? Diese meistens unbewusste Übersprungshandlung sorgt für jede Menge Leid. Das ist denjenigen, die gerne retten, gar nicht wirklich klar. Aber im Namen der Rettung anderer kann man viel mehr und viel extremere Maßnahmen begründen, wie wenn es um einen selbst geht, denn dann ist man ja selbst davon betroffen. Die Rettung anderer sorgt für eine Art Kurzschlussreaktion und rechtfertigt viel mehr, als man ohne diese Rettung rechtfertigen könnte. Und so sorgt die angebliche Rettung anderer oder das Bedürfnis, andere zu retten, für jede Menge Extremismus. Diesen Extremismus will unser Ego natürlich nicht wahrhaben und beruft sich deshalb immer wieder auf die Solidarität, auf die guten Absichten und auf das humanistische Prinzip, das hinter dieser Rettung angeblich steht. All diese Gründe sind vorgeschoben und es geht tatsächlich nur um ein durchgeknalltes Ego, um Programme, die automatisch ablaufen und die wir auch nicht aufhalten wollen. Diese Gefahr besteht bei allen Rettern. Das Zitat von Henry Mencken geht nämlich noch weiter. Er sagt: "Macht ist das, was alle Messiasse wirklich suchen, nicht die Möglichkeit zu dienen. Das gilt sogar für die frommen Brüder, die das Evangelium in fremde Gegenden tragen." Er hat das zu seiner Zeit also sogar auf die Missionare übertragen. Die Menschheit ist genauso wenig zu retten wie die Welt. Selbst wenn das notwendig wäre, die Welt oder die Menschheit zu retten, dann würde uns das überhaupt nicht gelingen. Auch demjenigen nicht, der sich als Retter aufspielt. Es ist aber gar nicht notwendig. Die Menschheit und die Welt müssen nicht gerettet werden. Das ist immer nur die Einbildung eines wahnsinnigen Egos. Und da unser Ego so strukturiert ist und sich gerne auf solche Rettungsmaßnahmen einlässt, kann man es damit auch wunderbar beschäftigen. Alle Aktionen und Initiativen, die für oder gegen etwas sind, sind nicht für oder gegen irgendetwas. Sie werden nur für diejenigen organisiert, die mitmachen sollen. Es geht um die Beschäftigung derjenigen, die sich dieser gemeinsamen Sache anschließen. So bleiben sie abgelenkt von Dingen und Umständen, die sie wirklich stören könnten oder mit denen sie sich beschäftigen könnten, wenn sie die Zeit dafür hätten. So bekommen wir illusorische Ziele vorgesetzt, nur damit wir beschäftigt sind, nicht damit sich etwas verändert. Verändern können wir immer nur etwas in uns, niemals irgendetwas außerhalb von uns. Und das Ziel außerhalb sorgt dafür, dass wir uns nie um das in uns kümmern können. Für uns ist das eine wunderbare Ablenkung von unserem tatsächlichen Job und für diejenigen, die uns diese Themen geben, wer oder was angeblich gerettet werden muss, für die bleiben wir dadurch leicht steuerbar. Ablenkung macht manipulierbar. Vor allem dann, wenn wir von dieser Ablenkung zutiefst überzeugt sind. Diese Überzeugung ist bei den meisten Menschen ganz einfach auszulösen, und zwar durch Wiederholung. Es ist kein Hexenwerk. Es muss einfach nur oft genug wiederholt werden. Du bist dem aber überhaupt nicht hilflos ausgeliefert, denn wenn es dir auffällt, dann kannst du wissen, dass die Retter keine sind. Und dann ist alles ganz einfach durchschaubar. Und wenn du es durchschaust, musst du nicht mitmachen. Und wenn du nicht mitmachst, bist du nicht beherrschbar.