Die Freude liegt im Schenken selbst, nicht in der Verwendung des Geschenkten. Ob du wirklich gerne schenkst, kannst du daran erkennen, ob du noch Wert darauf legst, wie dein Geschenk anschließend verwendet wird und ob sich der Beschenkte darüber freut. Wenn du Schenken von Faktoren außerhalb von dir abhängig machst, auf die du keinerlei Einfluss haben kannst, dann schenkst du nicht aus purer Freude, weil es nicht bedingungslos ist und du machst dein Glück wieder einmal vom Verhalten anderer abhängig. Bedingungsloses Schenken kann entweder pure Freude sein oder Deprogrammierung. Beides ist sinnvoll. Was nicht so sinnvoll ist, ist Schenken, um dem anderen eine Freude zu machen. Die Freude des anderen ist nicht dein Job. Dein Job ist deine Freude. Und wenn du beim Schenken noch keine Freude hast, dann kannst du das üben, indem du gegen deine Programmierung vorgehst und schenkst, obwohl du keine Freude dabei hast. Ganz im Gegenteil, es fällt dir sogar ausgesprochen schwer. Es kann zum Beispiel sein, dass du gar nicht gerne gibst oder dass du dein Geben von bestimmten Reaktionen abhängig machst oder von bestimmten Verhaltensweisen. Wenn du wirklich bedingungslos gibst und den Fokus dabei auf dich legst und dich beobachtest statt die anderen, dann muss es dir egal sein, ob sich der andere darüber freut und was der andere damit macht. Es kann sogar sein, dass er es weiterschenkt oder sogar wegwirft, weil es ihm nicht gefällt. Es sind unsere Erwartungen, die wir alle haben, die uns im Weg stehen. Wir wollen wenigstens Anerkennung oder ein Danke dafür, dass wir geschenkt haben. Und damit verlagern wir den Fokus des Schenkens auf den vollkommen falschen Bereich. Wir müssten unsere Aufmerksamkeit auch beim Schenken ständig auf uns richten. Wir sollten unsere Gefühle beobachten, die wir beim Schenken haben, und natürlich auch unsere Gedanken. Dann wären uns unsere Erwartungen ziemlich schnell klar. Und dann wäre uns auch klar, was bei uns falsch läuft, wie wir unser Schenken instrumentalisieren. Wenn wir beschenkt werden, läuft es natürlich genauso seltsam ab in uns. Wir freuen uns über das Geschenkte oder auch nicht statt über die Geste. Wir haben das Schenken und Beschenktwerden einfach insgesamt vollkommen falsch aufgezogen. Und wir wollen das echte Schenken, das Schenken, das uns selbst eine Freude macht und nicht abhängig ist von der Verwendung des Geschenkten, nicht üben und nicht testen, weil dabei zu viel durcheinander kommt. In uns und auch außerhalb von uns. Wir kommen nicht mehr damit klar, was wir dabei fühlen und die anderen auch nicht. Ich habe heute ein schönes Zitat zu diesem Thema gelesen, das heißt: "Die höchste Form der Armut ist nicht, nichts geben zu können, sondern nichts geben zu wollen."