Was bringt dir die Beantwortung theoretischer Fragen, wenn dir die Praxis so schwer fällt? Unser Verstand ist auf die Sammlung von Wissen und die Bearbeitung von Theorie programmiert. Er denkt, wenn er genügend Wissen ansammelt und genügend Theorie durchdacht hat, könnte er zur Tat schreiten. So weit seine Theorie. Tatsächlich verdrängt er mit der Bearbeitung der Theorie den Beginn in der Praxis. Er möchte immer mehr wissen und selbst wenn er dann immer mehr weiß, ist es nie genug. Er hat nie genügend Wissen, um zu beginnen. Wenn du dich selbst gut beobachten kannst, dann findest du heraus, dass es zwei Haltungen gibt in dir, warum du etwas fragst. Die eine ist die Absicht, etwas Neues zu erfahren und durch die Antwort einen neuen Grund zu bekommen, etwas auszuprobieren. Die andere Möglichkeit ist, dass du durch die Beantwortung theoretischer Fragen die Praxis verdrängst. Du willst es nicht tun, deshalb fragst du lieber. Dein Verstand sagt dir dann auch gerne, er würde ja so gerne, aber es geht noch nicht. Die Zeit ist noch nicht reif. Du hast noch nicht genügend Informationen. Du musst vorher noch in dich gehen. Und so verhindert er, dass du beginnst. Er macht es dir absichtlich kompliziert. Du kannst das auch in der spirituellen Szene beobachten. So viele Menschen kennen die richtigen Antworten. Und so wenige leben sie. Jemand, der die Fragen lebt, hat keinen Geltungsdrang mehr. Er möchte kein anerkannter spiritueller Lehrer sein. Er glaubt noch nicht einmal, dass er durch die Weitergabe seiner Weisheit etwas beitragen könnte, dass er die Welt zu einem besseren Ort macht. Denn dieser Weg liegt schon hinter ihm. Er hat die Welt in sich zu einem besseren Ort gemacht. Deshalb teilt er nur noch, wenn er gefragt wird und kommentiert nicht wild auf Social Media das Leben der anderen. Es ist hilfreich, einem spirituellen Lehrer zuzuhören, um in seine Energie einzutauchen. In die Energie, die praktisch gelebter Spiritualität entspringt, um es dann selbst in der Praxis zu leben.