Wir leben so sehr im Gegenteil von Annahme, dass wir denken, es sei schwierig, alles anzunehmen, wie es ist. Tatsächlich ist es schwierig, mit allem im Widerstand zu sein. Im Widerstand zu sein ist schmerzhaft. Wir haben uns aber so sehr an dieses Gefühl gewöhnt, dass wir es nicht nur für normal und natürlich, sondern sogar für menschlich halten. Widerstand ist aber weder angebracht noch menschlich. Vor allem aber bringt er nichts. Er verstärkt immer das Unerwünschte, was jetzt gerade hier ist, und erzeugt mehr vom Gleichen. Widerstand zu dem, was jetzt ist, ist die sichere Methode zur Manifestation dessen, was unerwünscht ist. Dummerweise entwickeln wir im Widerstand Wünsche. Wir wollen weg von hier. Wir wollen weg von dem, wie es jetzt gerade ist. Diese Wünsche erscheinen uns äußerst attraktiv und wir verbinden so viele Gefühle mit diesen Wünschen, dass wir uns einbilden, es seien unsere Herzens- und Seelenwünsche. Wir wünschen es uns doch so sehr. Dabei bekommen wir nicht mit, dass wir es uns nur wünschen, weil wir nicht bereit sind, das, was hier ist, anzunehmen. Wir realisieren nicht, wie immens groß der Aufwand ist, um mit dem jetzigen Moment im Widerstand zu sein und wie viel einfacher es wäre, diesen Moment so anzunehmen, wie er ist. Durch diesen Widerstand zum jetzigen Moment erzeugen wir mehr davon. Wenn dir das klar wird, stellt sich natürlich die Frage: Warum ist es dann so schwierig, diesen Widerstand aufzugeben? Das hat einen ganz einfachen Grund. Unser Kopf hängt in der Gewohnheit fest. Sobald du den Widerstand aufgibst, sagt er dir, dass das doch auch nichts bringt. Es hat ja bisher alles andere auch nichts gebracht. Und während dein Kopf dieses ‘Das bringt ja wieder einmal nichts!’ gegen dich verwendet, damit du in deine alten Muster zurückfällst, kannst du es für dich verwenden. Es kann sowieso sein, dass alles überhaupt gar nichts bringt. Also kannst du es einfach mal anders machen. Und dann machst du es anders und gibst den Widerstand auf, gibst dich deiner Situation hin und ignorierst alle Gedanken, die dann auftauchen. Das ist keine 30-Tage-Challenge, das ist eine 30-Monate- bis 30-Jahre-Challenge. Es dauert einfach seine Zeit, bis wir aus der Gewohnheit des Widerstandes herauskommen. Der Widerstand zum jetzigen Moment erscheint uns nur deshalb einfach und leicht, weil wir es gewohnt sind. Es ist eines unserer dominantesten Muster. Ein Muster, das wir aufrechterhalten, obwohl es uns schadet, obwohl wir uns damit schaden. Es braucht enorme Übung, um dieses Muster zu durchbrechen. Der Verstand neigt dazu, dir Angst zu machen, dass du durch diese Übung richtig und falsch, gut und böse nicht mehr unterscheiden kannst. Er behauptet, du wirst beliebig, wenn du dich allem hingibst. Er geht davon aus, dass du der Prügelknabe für alle wirst und dich nicht wehren kannst. Widerstand ist aber keine äußere Handlung. Es ist ein innerer Zustand. Und die Veränderung des inneren Zustandes bedeutet nicht, dass du dich nie wieder abwenden darfst. Tatsächlich passiert sogar das Gegenteil, nämlich, du wirst dich öfter abwenden. Du wirst dich öfter trauen, Nein zu sagen, weil du jetzt das erste Mal bereit bist, dich diesem Moment hinzugeben. Was auch bedeutet, du kannst dich dem Moment der Abkehr und der Ablehnung hingeben. Es kommt eben tatsächlich immer anders, als man denkt. Vor allem dann, wenn du den Widerstand aufgibst und dich hingibst.