Praktische Spiritualität. Ich hatte es schon einmal erwähnt und es ist wichtig. Es gibt keine moderne Spiritualität und auch keine individuelle Spiritualität. Du kannst auch keine spirituelle Bewegung erschaffen, weil du nicht die anderen bist. Außerdem ist jede Bewegung wieder ein Programm. Es gibt nur praktische Spiritualität. Praktische Spiritualität ist keine Methode, kein System, kein Programm. Es gibt nichts, was du abarbeiten kannst. Es gibt keine Aufgaben. Es gibt nur Nicht-Weltliches. Und das ist Spiritualität. Praktische Spiritualität bedeutet, dass du das Nicht-Weltliche in die Welt bringst, auf diese Welt bringst. Nicht zu den anderen, wie das die meisten fälschlicherweise denken, sondern zu dir. Das ist ein immenser Unterschied. Du trägst nicht deine Spiritualität in die Welt und motivierst alle und inspirierst alle, dass sie auch so spirituell werden sollen wie du. Was für ein absoluter Blödsinn! Dümmer geht's kaum. Du bringst Spiritualität ausschließlich in deine Welt, denn dort gehört sie hin. Und jetzt sage ich dir den seltsamsten Teil, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn jemals sagen werde, weil ich nicht der Typ dazu bin. Und trotzdem muss ich einsehen, dass es die Wahrheit ist, weil es mir genau so passiert ist! Spiritualität wird vom Lehrer auf den Schüler übertragen. Spiritualität ist eine wirkende Energie. Kein Lehrer kann dir irgendetwas versprechen oder irgendetwas garantieren. Und auch ich kann dir gar nichts versprechen und gar nichts garantieren, weil ich keine Worte habe für das, was bei mir passiert ist und was bei dir potenziell passieren kann. Außerdem ist es bei jedem anders. Niemand hat die gleichen Erfahrungen. Trotzdem tun wir so und sprechen einheitlich von ‘Erwachen’, 'Erleuchtung', 'Manifestation' und so weiter. Ich will und werde das niemals relativieren, weil es zu groß ist für mich. Aber ich weiß, dass wir nicht genau wissen können, was es ist und wann es das ist, was man so nennt. Ich hätte früher niemals solche Worte verwendet. Sie sind mir teilweise immer noch ein bisschen fremd. Aber heute weiß ich, dass die Energie meines Lehrers in mich hineingelaufen ist. Wenn diese Energie in dich hineinfließt, dann geht es nicht darum, was du äußerlich damit machst. Ganz pauschal und plakativ gesprochen: Du kannst obdachlos sein oder Milliardär. Für die Energie, die in dich hineinfließt, macht das keinen Unterschied. Es geht ab diesem Zeitpunkt nicht mehr um dein äußeres Leben, sondern nur noch um dein Inneres. Wenn diese Energie in dich hineinfließt, dann musst du aber bereit sein, dass sich alles verändert. Ganz egal, was das ist. Du musst bereit sein, deine Pläne über Bord zu werfen, weil etwas in dich eingedrungen ist, was mächtiger ist als dein Plan. Das ist ein Paradox, denn es ist tausendmal mächtiger, als du es dir vorstellen kannst, aber auch unendlich viel sanfter. Es ist kein Wahn mehr und kein Wunschdenken, sondern einfach das, was jetzt gerade dran ist. Die Dinge werden offensichtlich. Und du kannst und solltest dich nicht mehr dagegen wehren. Wenn sie nicht offensichtlich sind, macht das überhaupt nichts, dann ist nichts anderes dran. Diese Energie trennt die Spreu vom Weizen. Die Spreu ist der Verstand und der Weizen ist die Energie selbst. Sie ist das, was du ‘Spiritualität’ nennen könntest. Ein spiritueller Lehrer ist dazu da, dich zu ermutigen, diese Energie fließen zu lassen und dich an ihr statt an deiner Programmierung zu orientieren. Er interessiert sich nicht für deinen äußeren Weg, sondern ausschließlich für dein Inneres, das schon immer frei von Gedanken, Konzepten und Programmen ist. Er sieht dich als das, was du bereits bist und nicht als das, was noch aus dir werden könnte. Er interessiert sich ausschließlich für praktische Spiritualität.