Eine Gesellschaft kann nichts aufarbeiten, weil alles in uns verarbeitet wird. Die Idee einer gesellschaftlichen Aufarbeitung ist vollkommen verrückt. Sie ist unmöglich und überflüssig. Eine Gesellschaft kann weder etwas verarbeiten noch aufarbeiten. Der Grund dafür ist sehr einfach. Es gibt keine Gesellschaft. Es gibt nur Menschen. Und die gibt es individuell, einzeln, nicht als Kollektiv. Deshalb können zwei verschiedene Menschen in gleicher Umgebung stehen und etwas vollkommen anderes erleben. Die Idee von Verarbeitung und Aufarbeitung ist die Idee eines gemeinsamen Erlebens. Es ist die Idee von Versöhnung durch Austausch. Austausch sorgt aber nicht für Versöhnung. Zu erkennen, dass du niemanden hassen musst für das, was er tut, das sorgt für Versöhnung. Aber nicht mit dem anderen, sondern mit dir und in dir. Was für Versöhnung sorgt, ist die Erkenntnis, dass der Druck, den die anderen aufgebaut haben, nicht nur in ihnen, sondern auch in dir war. Denn sonst hättest du ihn gar nicht gefühlt. Für Aufarbeitung und Verarbeitung sorgt die Erkenntnis, dass du aufgrund dieses Drucks in dir gehandelt oder nicht gehandelt hast und dass dieser Druck gar nicht von den anderen kommt, sondern schon lange in dir ist. Für Versöhnung sorgt die Erkenntnis, dass du über Gefühle, also Körperempfindungen, gesteuert wirst und dich selbst automatisiert steuerst. Verarbeiten kannst du das Ganze nur, wenn du merkst, dass diese Gefühle von unterschiedlichsten Themen ausgelöst werden können, dass du sie in verschiedenen Situationen und mit verschiedenen Menschen hast. Aufarbeiten kannst du das Ganze nur, wenn du erkennst, dass die gesamte Menschheit, jeder einzelne Mensch durchdrehen darf und du nicht reagieren musst. Du darfst und du kannst reagieren. Aber du musst nicht. Das, was reagieren muss in dir, ist deine Programmierung, ist dein Ego. Dieser Teil ist nicht echt. Deshalb ist auch die Welt, auf die deine Programmierung reagiert, nicht echt. Du musst da nicht auf einmal rauskommen. Auch das ist wieder nur eine sehr seltsame Vorstellung unseres Verstandes. Das geht schrittweise durch Wahrnehmen, was wirklich ist und dir selbst gegenüber ehrlich sein. Niemand belügt dich so sehr, wie du dich selbst. Zum Beispiel dadurch, dass du denkst, andere wären für die Aufarbeitung und Verarbeitung deiner Erfahrungen und damit deiner Gefühle verantwortlich. Sie sind nicht verantwortlich und sie können es auch gar nicht sein. Selbst wenn sie es wollten, würde dir das nichts bringen. Denn dadurch, dass andere dir sagen: "Ich übernehme die Verantwortung und ich entschuldige mich!", ändert sich in dir nichts Wesentliches. Niemand kann dir die Aufarbeitung und Verarbeitung deiner Gefühle und deine Versöhnung mit dir selbst abnehmen. Dafür kann und darf keine Gesellschaft verantwortlich gemacht werden. Diese Verantwortung musst ausschließlich du ganz alleine tragen. Wenn du das tust, ist das nichts weniger als die Auflösung deines Traumas. Nicht unbedingt sofort und unmittelbar, aber im Lauf der Jahre. Es wäre schlecht, wenn jemand diesen Prozess abnehmen oder übernehmen könnte, weil er ihn dir damit wegnimmt und ihn für dich unmöglich macht. Eine gesellschaftliche Aufarbeitung wäre die Verunmöglichung deiner Erlösung vom Trauma.