Die größte Epidemie ist der Verstand. Es gibt eine Epidemie, die ist viel älter als alle anderen Epidemien. Es ist eine spirituelle Epidemie beziehungsweise besser gesagt, eine Epidemie, die unserer Spiritualität im Weg steht. Sie überträgt sich nicht schnell, aber stetig. Der Virus wird von Generation zu Generation weitergegeben. Die Eltern geben es an ihre Kinder weiter und sobald die Kinder Eltern sind, geben sie es an ihre Kinder weiter. Die Weitergabe fällt ihnen gar nicht auf, weil der Virus nicht mehr auffällt, da alle davon infiziert sind. Und falls der Virus dann doch mal jemand auffällt, dann fällt er trotzdem nicht auf, weil er allgemein anerkannt ist. Es gibt verschiedene Namen und Beschreibungen für diesen Virus, doch kein Name gibt ihn wirklich wieder. Denn du musst ihn selbst in dir entdecken. Wenn ihn ein anderer in dir entdeckt, bringt dir das überhaupt nichts. Dann hast du zwar eine Diagnose, aber keine Aussicht und absolut keine Chance auf Heilung. Die hast du nur, wenn der Virus dir auffällt, wenn du ihn entdeckst. Wenn du ihn entdeckst, dann brauchst du ihm gar keinen Namen mehr geben. Dann brauchst du ihn auch nicht beschreiben, denn du hast ihn auf einer Ebene entdeckt, die viel tiefer ist als Worte. Denn auf dieser Ebene existiert er. Sobald du den Virus in dir entdeckt hast, ist es vollkommen überflüssig, ihn mit Worten zu beschreiben, weil ihn die Worte nicht annähernd beschreiben können. Du kriegst ihn mit Worten nicht zu fassen. Worte können ihm auch nichts anhaben. Ganz im Gegenteil. Die meisten Worte entspringen diesem Virus. Sobald du ihn beschreibst, besteht die Gefahr, dass du ihn mit dieser Beschreibung fütterst. Er fällt nur sehr wenigen Menschen auf und selbst diejenigen, die über ihn sprechen, kennen ihn oft überhaupt nicht oder nur sehr vage. Manche Menschen sprechen über ihn, als hätten sie ihn im Griff, nur um sich dann wenige Minuten später zu offenbaren, indem sie in diesem Virus baden. Der Virus hat viele Namen. Manche nennen ihn 'Ego', manche 'Verstand' und andere sagen 'Programmierung' zu ihm. Du könntest ihn sogar 'Trauma' nennen. Aber wie gesagt: Die Worte spielen keine Rolle. Die einzig relevante Frage ist: Kannst du ihn sehen? Kannst du ihn erkennen? Nicht in anderen, sondern in dir.