Um etwas zu tun, musst du es können. Es bringt dir nichts, wenn du weißt, wie es geht. Du wurdest in etwas hineingetrickst. Und zwar in die Wissensfalle. Man hat dir gesagt, dass du etwas wissen musst, um etwas zu können und es dann auch tun zu dürfen. Man hat dir gesagt, du musst wissen, wie es geht, damit du es tun kannst. Und das ist die exakte Umkehrung deiner erlebten Realität. Die wichtigsten Dinge kannst du gar nicht wissen und deshalb auch nicht lernen. Du kannst das auch ganz einfach in der Praxis überprüfen. Zu wissen, wie es geht, bringt dir gar nichts. Du musst es können und machen. Es gibt Menschen, die wissen ganz viel, machen aber sehr wenig. Die sind dann manchmal auch als Klugscheißer bekannt. Die reden dann nämlich denen drein, die es tun. Und sie sagen ihnen, dass sie besser wissen, wie es wirklich geht, ohne es zu tun. Du musst es können und machen. Alles andere ist irrelevant. Ob du es auch weißt, wie es geht und ob du es anderen erklären kannst, spielt einfach keine Rolle. Ein guter Pianist muss kein guter Klavierlehrer sein. Er muss es nicht erklären können, was er da macht. Er muss es können. Und es zu können alleine reicht nicht. Er muss sich dann auch noch trauen, auf die Bühne zu gehen oder etwas aufzunehmen und zu veröffentlichen. Und natürlich ist das gar nicht unbedingt notwendig. Aber er muss zumindest für sich spielen. Er muss es tun. Du könntest jetzt denken, dass diese Wissensfalle gar nicht schlimm ist. Tatsächlich beinhaltet sie ein sehr großes weiteres Problem. Und ich versuche dir das an meinem Beispiel zu erklären. Nach sieben Jahren Retreats und spirituellem Wirken ist es für einige offensichtlich, dass ich was kann und dass ich etwas bewirke. Und deshalb fragen sie mich. Sie fragen mich: "Was passiert da? Und wie machst du das?" Und ich kann diese Fragen nicht beantworten. Der fehlgeleitete menschliche Geist hätte aber gerne eine Erklärung. Denn er glaubt ja, wenn er weiß, was der kann, dann kann er es lernen. Oder er ist auch einfach neugierig und wüsste halt gerne, wie der das macht. Und während ich die Neugierde verstehen kann, erkenne ich ihren schädlichen Aspekt. Denn wenn es dumm läuft, sitzt du bei mir im Retreat und denkst die ganze Zeit: "Wie macht er das? Wie macht er das? Wie macht er das? Und wie macht er das?" Dadurch konzentrierst du dich die ganze Zeit auf den falschen Aspekt. Der wesentliche Aspekt ist nicht, wie jemand etwas macht. Der wesentliche Aspekt ist, dass er es macht. Und nur wenn du dich darauf einlassen kannst, kannst du auch etwas mitnehmen. Etwas, das weit darüber hinausgeht, zu wissen, wie jemand etwas macht. Und zum Schluss erkläre ich dir auch noch das dritte Problem der Wissensfalle. Wenn Menschen gefragt werden, wie sie das machen und sie haben keine Erklärung, werden das aber immer wieder gefragt, dann neigen sie dazu zu fantasieren. Sie überlegen sich dann entweder eine Erklärung, die gut ankommt oder die ihnen gut gefällt oder die sie überhöht, die ihnen schmeichelt und die sie zu etwas Besonderem macht. Oder — und das ist genauso schlimm — sie kopieren einfach die Beschreibungen von anderen, die etwas Ähnliches machen. Das Ergebnis dieser Wissensfalle ist also, dass dir gesagt wird, wie jemand etwas macht und es stimmt überhaupt nicht, denn sie wissen es selbst nicht. Du wirst einfach mit wohlklingender Fantasie ruhiggestellt. Und das nur, weil keiner die Eier in der Hose hat, dir zu sagen, wie es wirklich ist: "Es tut mir leid. Ich weiß nicht, wie ich das mach."