Ohnmacht ist im doppelten Sinn ein guter Lehrer. Solange du sagen kannst, dass du dich ohnmächtig fühlst oder Angst vor Ohnmacht hast, ist sie nicht wirklich hier. Und solange sie nicht wirklich hier ist, kannst du so tun, als wärst du ohnmächtig und als könntest du vor einem noch ohnmächtigeren Zustand Angst und Panik haben. Sobald die Ohnmacht dann wirklich hier ist, bekommst du ihre Anwesenheit gar nicht mit, denn du bist ja tatsächlich ohnmächtig. Es kann aber natürlich auch sein, dass du mit Ohnmacht etwas ganz anderes meinst. Es könnte sein, dass du den Zustand von Starre oder Erstarrung meinst. Das ist ein tatsächlicher körperlicher Zustand und eine Folge von Trauma. Und auch diese Erstarrung kannst du im Körper fühlen. Du kannst sie im Körper wahrnehmen, sonst könntest du ja gar nicht über sie sprechen. In den meisten Fällen ist es aber so, dass wir über Ohnmacht sprechen und über Ohnmacht nachdenken, ohne dass sie hier ist. Wir sind nicht ohnmächtig. Aber wir behaupten es. Und damit meine ich nicht nur den Zustand der Bewusstlosigkeit, sondern auch den Zustand der Hilflosigkeit. Den Zustand der Bewusstlosigkeit können wir gar nicht untersuchen. Eben weil wir in diesem Moment nicht bewusst sind. Den Zustand der Ohnmacht im Sinne von Hilflosigkeit untersuchen wir aber genauso wenig. Wir denken uns lieber ohnmächtig, als genauer nachzusehen und vor allem genauer zu beobachten, wo im Körper wir diese Ohnmacht fühlen. Was wir lernen müssen zu unterscheiden, indem wir es beobachten, ist der Unterschied zwischen körperlichem Schmerz und Gedanken. Und zu körperlichem Schmerz zählen auch Körperempfindungen, die wir Gefühle nennen. Und was wir beobachten müssen, ist: "Denkt es sich in mir gerade nur ohnmächtig oder fühle ich etwas im Körper?" Häufig ist es nämlich so, dass wir die ganze Zeit nur denken: "Ich fühle mich so ohnmächtig. Ich fühle mich so ohnmächtig. Ich fühle mich so ohnmächtig." Wenn wir währenddessen keine korrespondierende, sprich in dem gleichen Zeitraum auftretende Körperempfindung finden, dann sind es nur Gedanken und keine Gefühle. Dann dreht einfach nur dein Verstand am Rad und läuft Amok. Wir sind mit unseren Gefühlen und unseren Aussagen über unsere Gefühle viel zu unpräzise. Diese Ungenauigkeit kommt nur dadurch zustande, dass wir nicht genau genug beobachten. Sobald wir beobachten und ehrlich werden, können wir nicht mehr unpräzise sein. Und dadurch stellt sich zwangsläufig heraus, wie es tatsächlich ist. Dann merken wir auch, dass es nie so ist, wie wir dachten und wie wir behauptet haben.