In dem Wunsch nach Sozialsein ist der Faschismus schon verankert. Faschismus bedeutet nicht das, was du denkst. Es leitet sich vom italienischen 'fascio', und das steht für 'Bündel', ab. Das bedeutet, Faschismus ist die Bündelung der Interessen. Demnach ist jede Partei und jede Organisation, sogar jede Gruppe faschistisch. Das Interessante an dem Wunsch nach Sozialsein ist Folgendes: Die meisten Menschen verstehen darunter, dass man sozial mit ihnen ist. Also andere sollen (gefälligst) sozial sein. Ob ich das auch bin, ist erst einmal egal. Ich fordere es von anderen. Und je größer die Gruppe wird, die das fordert, desto faschistischer wird diese Forderung. Mit welchem Recht kann ich von anderen etwas fordern, wenn ich nicht selbst erst einmal bereit bin, etwas zu geben? Wie kann ich 'sozial sein' als hohen Wert etablieren, wenn ich ihn selbst nicht erfüllen kann? Ein wahrhaft sozialer Mensch braucht keinen Sozialismus. Er braucht auch keine Bündelung seiner Interessen, denn er ist als Allererstes selbst sozial. Er braucht dafür keine Voraussetzung. Er braucht dafür keine anderen und schon gar keine Gesetze. Er kommt von alleine drauf, weil dieser Antrieb ihm selbst entspringt. Niemand muss ihn dazu anregen. Er braucht keine Gruppe, die ihn auffordert oder gar zwingt. Ganz im Gegenteil: Zwang frustriert ihn und führt dazu, dass er nicht mehr sozial ist. Um sozial sein zu können, musst du die freie Wahl haben. Du musst auch wählen können, nicht sozial zu sein, sonst ist es kein Sozialsein, sondern Faschismus. Also ein Verhalten, das von einer Gruppe bestimmt wird. Diese Diktatur der Gruppe führt dazu, dass diejenigen, die sich unterwerfen müssen, das nicht gerne tun. Deshalb widerspricht der Zwang, sozial sein zu müssen, der zum Beispiel von einem Staat oder einer Regierung gefordert und ausgeführt wird, überhaupt keinem sozialen Gedanken. Es ist einfach nicht sozial, sondern faschistisch. Sozial ist, wenn es freiwillig aus dir entsteht. Faschistisch ist, wenn die Gruppe bestimmt, was du tun musst. Die Grundidee von Sozialismus ist nicht die Idee: »Ich möchte sozial sein.« Die Grundidee des Sozialismus ist: »Ich möchte, dass die anderen sozial sind.« Und der Wunsch, dass andere so sein sollen, wie ich das gerne hätte, ist faschistisch. Das ist im Gegensatz dazu, wie das Wort heutzutage meistens benutzt wird, kein Vorwurf, sondern die Beschreibung einer Haltung. Damit ich etwas in meinem Leben verändern kann, muss mir erst einmal meine Haltung klar werden. Meine Haltung ergibt sich immer aus meinem Menschenbild. Also was ich von anderen Menschen halte. Und auch wenn das den meisten nicht auffällt und sie vehement protestieren würden, wenn sie das hören: Die Art und Weise, wie ich andere sehe, ist immer mein Selbstbild. Das kann sehr gut versteckt sein, sehr tief vergraben liegen. Und dennoch ist mein Menschenbild auch mein Selbstbild. Leider ist der Begriff des Faschismus durch Programmierung so stark verfremdet und so falsch gedeutet, dass wir ihn nicht mehr zur Selbstreflexion einsetzen können. Ich habe es heute trotzdem versucht, weil es richtig eingesetzt eine sehr gute Möglichkeit ist, seine Wünsche und Forderungen genauer unter die Lupe zu nehmen.