Ist vertrauensloses Vertrauen noch Krypto oder schon Spiritualität? Um diese Frage beantworten zu können, musst du erst einmal herausfinden, was Vertrauen ist. Vertrauen gibt es nicht. Es gibt nur den Wegfall von Misstrauen. Du kannst das ganz einfach feststellen. Beobachte dich, wenn du etwas tust. Während du vertraust, denkst du dann: »Oh, ich bin so im Vertrauen!«? Hast du wirklich vorher gedacht: »Na gut, dem kann ich vertrauen!«? Wenn du so etwas denkst oder sagst, dann ist da immer noch Misstrauen. Vertrauen ist der Wegfall von Misstrauen. Das heißt, wenn du vertraust, ist kein Misstrauen da. Da ist aber deshalb nicht Vertrauen da. Vertrauen hat nicht Misstrauen ersetzt, sondern Misstrauen ist einfach weggefallen. Du bist nicht mehr skeptisch, du hast keine Angst mehr, du hast gar keine Gedanken mehr. Ein kleines Beispiel: Wenn du bisher Geld ausgegeben hast, dann hast du nicht gedacht: »Oh, ich vertrau dem Euro. Das ist so ein vertrauensvolles Geld!« Nein, das war vertrauensloses Vertrauen. Du hast vertraut, ohne es zu merken. Du hast einfach nicht misstraut. Die Abwesenheit von Misstrauen ist das, was man als Vertrauen bezeichnet. Und genau das ist die Funktion von Krypto. Das bewerkstelligt die Technologie, die hinter Krypto steckt. Es ist die Lösung eines mathematischen Problems, das für vertrauensloses Vertrauen sorgt. Dieses mathematische Problem hat einen Namen. Es heißt 'byzantinischer Fehler' oder 'Das Problem der byzantinischen Generäle'. Dabei geht es um die Absprache zwischen Parteien, die sich nicht vertrauen. Und diese Möglichkeit wurde mathematisch hergestellt. Nur aufgrund dieser mathematischen Lösung kannst du Krypto vertrauen. Beziehungsweise besser gesagt: Nur aufgrund dieser mathematischen Lösung kann dein Misstrauen gegenüber Krypto wegfallen. Selbstverständlich kannst du aber weiterhin misstrauisch sein. Da spricht gar nichts dagegen. Es stellt sich dann nur die Frage: Warum bist du denn bei allen anderen Lösungen nicht mindestens genauso misstrauisch? Bist du auch misstrauisch, wenn du dein Handy benutzt? Bist du misstrauisch, wenn du ins Internet gehst? Bist du misstrauisch, wenn du an den Geldautomaten gehst? Bist du misstrauisch deiner Bank gegenüber? Bist du misstrauisch, wenn du zum Einkaufen gehst? Bist du misstrauisch, wenn du in die Apotheke gehst? Wenn du überall mit Ja antwortest, auch das kann ich verstehen, die Frage ist nur: Ist das praktisch? Kann und sollte man so leben? Ist das das Ziel deines Lebens, möglichst allen gegenüber misstrauisch zu sein? Und selbst wenn du behauptest: »Ich bin überall misstrauisch!«, dann stimmt das nicht. Es geht nämlich nicht. Wenn du allem gegenüber misstrauisch wärst, könntest du keinen einzigen Tag verbringen. Du kannst gar nichts machen. Noch nicht einmal liegen bleiben, denn du müsstest misstrauisch sein, das Haus über dir könnte einstürzen. Du könntest nicht mit dem Auto fahren, auch nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Du könntest in kein Haus gehen, auf keine Straße gehen, in keinen Wald gehen. Du könntest nichts machen. Du vertraust die ganze Zeit, beziehungsweise eben nicht. Du hast kein Misstrauen. Und in bestimmten Bereichen hast du Misstrauen. Bitte versteh mich an dieser Stelle nicht falsch. Ich sage nicht, dass du vollkommen naiv und blind sein sollst! Aber du könntest herausfinden, was in dem Moment des Misstrauens tatsächlich in dir passiert. Sehr wahrscheinlich fühlst du ein Gefühl, das du nicht gerne fühlst. Natürlich kannst du einfach immer versuchen, das Gefühl weiterhin zu verdrängen und damit misstrauisch zu bleiben. Oder du kannst beginnen, dieses Gefühl zu fühlen und sogar zu provozieren, extra hervorzurufen. Wenn du das lange genug machst, passiert etwas Erstaunliches. Deine Gedanken fallen einfach weg, weil auch das Gefühl nicht mehr so bedrohlich ist oder vielleicht sogar komplett verschwunden ist. Das bedeutet: Wenn du nicht fühlst, musst du auch nicht denken. Dann fällt dein Misstrauen einfach weg und dann bist du im vertrauenslosen Vertrauen angekommen.