»Die Wahrheit ist: Du kämpfst nicht mit Depressionen, du kämpfst mit der Realität, in der wir leben.« Keanu Reeves Das, was wir als Depression bezeichnen, ist keine. Es ist zumindest keine Krankheit, wie die meisten denken. Es ist ein ganz natürlicher und sinnvoller Mechanismus, wenn du mit der Welt und deinem Leben nicht klar kommst. Wenn du eine Pause von deiner Anpassung und dem ganzen Schwachsinn um dich herum brauchst. Wenn du dich sortieren solltest. Wenn du merkst, dass du nicht deine Wahrheit lebst. Deine Wahrheit zu leben, klingt so groß. Es ist aber an sich etwas sehr Einfaches: Du belügst dich selbst. Und wenn es dumm läuft, kriegst du das noch nicht einmal mit. Du erzählst dir also selbst eine Lüge und rechtfertigst sie vor dir selbst. Die meisten Menschen verstehen nicht, was das bedeutet. Sie gehen davon aus, dass ich meine: Du musst sofort aufhören, alle Lügen zu leben! Zum Beispiel alle Kontakte zu beenden, wo du nicht echt bist oder wo du dir nicht sicher bist. Aber das ist nicht, was ich meine. Viele denken auch, Ehrlichkeit hätte was damit zu tun, dass du jedem sagen musst, wie du zu ihm stehst und dass du zum Beispiel demjenigen, bei dem du die ganze Zeit gedacht hast, er ist ein Arsch und du magst ihn nicht, dann direkt ins Gesicht sagen musst: »Du bist ein Arsch. Ich mochte dich noch nie.« Das ist nicht damit gemeint. Ich meine damit etwas sehr Einfaches. Du erzählst dir selbst keine Lügen mehr. Das ist kein harter Vorgang. Das ist keine Ablehnung von anderen. Das ist auch keine Ablehnung von bestimmten Situationen. Das ist einfach: Du sagst die Wahrheit. Du sagst dir selbst die Wahrheit. Unser Verstand macht in diesen Situationen meistens einen großen Fehler. Er denkt, sobald er die Wahrheit sagt oder sobald du die Wahrheit sagst, müsse er sofort handeln, er müsse es dann sofort regeln. Denn bisher hat er sich ja selbst belogen und jetzt muss er eingreifen. Du musst aber erst einmal verarbeiten, was passiert ist. Und je öfter du das übst, je öfter du das machst, desto mehr wirst du feststellen, dass die Handlung, die Veränderung gar nicht mehr notwendig ist. Denn die wesentliche Veränderung hat bereits vorher stattgefunden. Und diese Veränderung ist: Du belügst dich selbst nicht mehr! Du redest es dir nicht mehr schön. Weder die anderen noch dich selbst. Du redest dir deine Fähigkeiten nicht schön. Du redest sie dir natürlich auch nicht schlecht. Die Wahrheit zu sagen, macht dich frei von jeglichem Handlungsaufruf. Du kannst handeln, du musst aber nicht. Deshalb interpretiere ich dieses Zitat auch nicht negativ. Es gibt bestimmt Menschen, die denken: »Oh ja, die Realität ist so schlimm und ich kämpfe damit und es ist so schrecklich.« So ist es für mich nicht gemeint. Es geht darum, die Wahrheit zu sagen. Du bist nicht krank. Die Wahrheit ist, du kämpfst mit der Realität. Die Lösung ist, diesen Kampf zu beenden. Und genau das sind die Symptome einer Depression. Du wirst handlungsunfähig, damit du eben nicht mehr mit der Realität kämpfst, damit du diese Handlungsunfähigkeit zulässt. Damit du die Wahrheit sagst, wie es jetzt gerade für dich wirklich ist: »Ich kann nicht mehr. Und ich höre jetzt auch auf mit Kämpfen. Ich versuche, es mir auch nicht mehr schönzureden. Ich lasse es jetzt so sein, wie es wirklich ist.«