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    8.1.2024AQ 2236
    »Die nächste Revolution findet innen statt.«
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    Die nächste Revolution findet innen statt. Dieses Zitat ist eines meiner ersten. Es ist schon 12 oder 14 Jahre alt, vielleicht sogar schon älter. Und es könnte nicht besser zum heutigen Tag passen. Denn die Menschheit geht immer noch davon aus, dass es eine äußere Revolution braucht. Das ist nicht der Fall. Das ist eine Falle. Äußere Revolutionen verändern nichts. Solange sich dein Kern nicht verändert, verändert sich nichts. Und zwar selbst dann nicht, falls sich etwas verändert. Eine äußere Veränderung ist keine. Die Idee einer Revolution ist die Veränderung von Machtverhältnissen. Das bedeutet, Menschen, die derzeit mächtige Positionen besetzen, müssen abgesetzt werden. Das bedeutet, dass eine Lücke entsteht, ein Vakuum. Und diese Lücke muss gefüllt werden. Die Idee der Menschen ist, dass diese Lücken mit Menschen gefüllt werden, die es gut meinen, die es besser machen, weil sie es besser können. Doch das ist niemals der Fall. Die Lücken werden immer mit denen besetzt, die dort hineinpassen. Und selbst falls das nicht der Fall wäre und der Idealzustand eintreten würde aus Sicht der Revolutionäre, dann würden alle Positionen mit Revolutionären besetzt werden. Doch die Revolutionäre haben ja gar keine innere Veränderung hinter sich. Die haben sich ja um die äußere Revolution gekümmert. Sie können also gar nichts verändern. Auch sie sind genau wie diejenigen, die sie ersetzen, nicht in der Lage, etwas Substanzielles zu verändern. Wütend zu sein ist keine Garantie für eine erfolgreiche Revolution. Wut ist das Gegenteil. Es ist die Garantie dafür, dass die Revolution scheitert. Die Revolutionäre müssten erst einmal herausfinden, warum sie überhaupt auf die Straße gehen. Und wenn der einzige Grund ist, dass man ihnen ihre Privilegien genommen hat, dann ist das ein denkbar schlechter Ausgangspunkt. Das System zu bekämpfen, auf das man wütend ist, weil man nicht mehr genügend Subventionen bekommt, sorgt dafür, dass man das System nie verlässt und direkt von ihm wieder vereinnahmt wird. Deshalb gibt es den Spruch: »Die Revolution frisst ihre Kinder.« Das System oder seine Mitglieder zu verachten, ist kein Qualifikationskriterium für eine erfolgreiche Veränderung. Damit machen die Revolutionäre ja absolut gar nichts anders als diejenigen, die das System gerade steuern. Im Widerstand zu einem System ist dir nicht klar, dass du das System weder bekämpfen noch ersetzen musst. Es genügt vollkommen, wenn du es verlässt. Und dazu musst du in der Lage sein, das System in dir zu verlassen. Doch genau das üben die Revolutionäre nie. Du musst nicht raus aus dem System. Das System muss raus aus dir. Dann machst du auch den zweiten großen Fehler nicht. Dann willst du kein neues System aufbauen. Wenn das System raus ist aus dir, werden Systeme überflüssig. Deine innere Revolution macht die äußere überflüssig. Im Zustand eines wütenden Revolutionärs kannst du das nicht verstehen. Du kannst nicht erkennen, dass deine Haltung das System erst ermöglicht. Dein Erfahrungshorizont ist eingeschränkt, denn du hast noch nie etwas anderes ausprobiert. Und wenn dein Erfahrungshorizont eingeschränkt ist, dann ist auch dein Vorstellungshorizont eingeschränkt. Du kannst es dir einfach nicht vorstellen, dass es anders funktionieren könnte. Und deshalb willst du auch nichts anderes machen. Du willst wütend sein und das System stürzen, ohne selbst die Reife zu besitzen, eine echte Alternative anbieten zu können, weil ein echter Ersatz nur etwas ist, das frei von Herrschaft ist. Doch genau das kannst du dir nicht vorstellen. Und so gilt mein Zitat immer noch: »Die nächste Revolution findet innen statt.«