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    29.12.2023AQ 2226
    »Unser Trauma verlangt nach Harmonie.«
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    Unser Trauma verlangt nach Harmonie. Es gibt einen Grund, warum die Weichspüler-Spiritualität oder die Kuschel-Spiritualität so stark angeboten und nachgefragt wird. Der Grund dafür ist unser Trauma. Unser Trauma ist ein Mechanismus, der trotz heftigster Störungen für Beruhigung und damit Harmonie sorgt. Es ist damit ein Verdrängungsmechanismus. Denn tatsächlich gäbe es jede Menge zu fühlen. Doch das muss anfangs unterdrückt werden, damit wir überleben. Die Aufgabe eines erwachsenen Menschen ist es, diese vergrabenen Emotionen wieder hervorzuholen. Dafür bekommen wir unzählige Möglichkeiten: Freunde, die uns nicht wohlgesonnen sind, einen Chef als Arschloch, Partner, die uns nerven. Ganz grob und kurz gesagt: Jede Situation in unserem Leben, die uns irritiert. Spirituell zu sein bedeutet eigentlich, erwachsen zu sein und zu lernen, mit diesen Gefühlen umzugehen und sie auch zu verarbeiten. Dafür brauchst du den Mut deines Lebens, was nichts anderes bedeutet, als die Bereitschaft, diese Herausforderung trotz aller Schmerzen anzunehmen. Es gibt nur wenige Menschen, die darauf wirklich Lust haben, ohne dass sie dazu gezwungen werden. Das merkt selbstverständlich auch der sogenannte spirituelle Markt, also alle spirituellen Anbieter. Und deshalb bieten sie dir lieber erst einmal eine geführte Meditation an, damit es nicht zu schlimm wird, damit du erst mal runterkommst. Dummerweise bedeutet ‘runterkommen’ weiterhin ‘verdrängen’. Das heißt, es wird dir in den meisten Fällen in der Spiritualität das angeboten, was dir hilft, nicht spirituell zu sein. Harmonie herzustellen auf einfachem Wege ist keine Spiritualität, denn Harmonie auf einfachem Weg ist immer noch Verdrängung. Und dein Trauma sorgt dafür, dass du dich genau zu dieser Form der Spiritualität hingezogen fühlst. Und wenn du es dann schaffst, temporär ein schönes Gefühl herzustellen, fühlst du dich auch ganz schnell bestätigt und glaubst, dass das dein Weg ist, denn der fühlt sich ja rundum gut an! Das glaubst du genau so lange, bis die alten Gefühle wieder nach oben drängen. Denn dann weißt du wieder nicht, was du damit machen sollst. Und du verzweifelst genau wie früher und versuchst dich dann mit der neuesten geführten Meditation irgendwie zu beruhigen. Oder natürlich mit unzähligen anderen Methoden, die auch noch angeboten werden. Diese Methoden sind alle nicht falsch und sie können auch helfen. Solange du sie allerdings zur Verdrängung von Trauma, also zur Herstellung von Harmonie auf dem schnellsten Weg, missbrauchst, können sie nicht dauerhaft funktionieren. Wenn du bereit bist, deine Gefühle im Körper wahrzunehmen, wirst du feststellen, dass es viele dieser Methoden gar nicht mehr braucht, weil die Verdrängung nicht mehr notwendig ist. Unser Trauma als Verdrängungsmechanismus ist der Grund dafür, dass sich Methoden weit verbreiten. Jede Methode, die dir Verdrängung ermöglicht und erleichtert, ist weiter verbreitet als diejenige Methode, die dich zum Kern führt. Das liegt in der Natur der Sache. Das liegt in unserem Vermeidungsverhalten. Wir wollen es nicht noch einmal erleben. Sobald etwas allgemein anerkannt ist oder als allgemein anerkannt gilt, kannst du mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es aus dem Trauma entstanden ist und nur der schnellen Herstellung von Harmonie dient, damit du den eigentlichen Weg nicht gehen musst. Unsere gesamte Gesellschaft ist auf Verdrängung aufgebaut. Deshalb ist es höchst unwahrscheinlich, dass du innerhalb dieser Gesellschaft eine Methode findest, die allgemein anerkannt ist und tatsächlich hilft. Denn diese Methode wäre damit gegen die Gesellschaft gerichtet und das lässt keine Gesellschaft zu. Denn sonst könnte keiner in der Gesellschaft sein Verdrängungsspiel aufrechterhalten.