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    19.12.2023AQ 2216
    »Der Wunsch nach Gleichheit ist Neid.«
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    Der Wunsch nach Gleichheit ist Neid. Die Forderung von Gleichheit und Gerechtigkeit klingt so schön. Und es wirkt so, als würden hohe moralische Werte dahinter stehen. Tatsächlich hat die Forderung nach Gleichheit und Gerechtigkeit so viele Fehler, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Als Allererstes natürlich das Offensichtliche. Wir sind nicht gleich. Wir sind höchst verschieden. Und der Versuch, Gleichheit herzustellen, muss immer schiefgehen. Würden wir es schaffen, für Gleichheit zu sorgen, würde deine Individualität komplett verschwinden. Das wäre weder schön für dich noch für andere, denn deine Individualität garantiert das Besondere. Etwas oder sogar vieles ist an dir anders als bei anderen. Oder es kommt in einer bestimmten Kombination vor, die einmalig ist. Und nun zum weniger Offensichtlichen. Der Wunsch nach Gleichheit muss die Idee beinhalten, dass die Umstände für andere schöner sind. Denn tatsächlich wünschen wir uns ja nicht Gleichheit. Wir wünschen es uns anders, aber wir wünschen es uns selten nach unten anders, sondern nach oben. Wir wünschen uns die Angleichung nach oben. Wären wir bei unserer Forderung nach Gleichheit derartig betroffen, dass uns etwas genommen werden muss, damit alles gleich sein kann, würden wir dem sehr wahrscheinlich nicht zustimmen. Wir gehen bei der Idee von Gleichheit und Gerechtigkeit also davon aus, dass die Umstände, die wir bei anderen beobachten, für sie schöner sind oder zumindest für uns schöner wären. Dabei machen wir einen großen Fehler. Wir realisieren nämlich nicht, dass wir die Umstände der anderen von außen betrachten und beurteilen und nicht von innen erleben. Wir kennen die Innenansicht der angeblich Privilegierten überhaupt nicht. Es sind alles Annahmen und Mutmaßungen und wir gehen davon aus, dass es uns besser ginge, wenn wir ihren Stand erreicht hätten. Dass das in unserem Leben noch nie der Fall war, was wir beobachten könnten, und es deshalb auch nie der Fall sein wird, ignorieren wir einfach. Wenn wir ehrlich wären, müssten wir einfach zugeben, dass wir neidisch sind. Wir sind neidisch, weil wir denken, den anderen geht es besser und uns geht es so schlecht. Und das ist ungerecht. Und deshalb müssen wir für Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfen. Wir merken dabei gar nicht, dass wir mit diesem Wunsch und mit diesem Kampf gegen uns selbst vorgehen. Wir nehmen uns selbst die Möglichkeit, einmalig zu sein, weil wir denken, dass uns die Umstände definieren. Tatsächlich machen sie uns nur sichtbar. Ich sage das alles aus eigener Erfahrung, bei der ich mich nicht mit Ruhm bekleckert habe. Damals hätte ich behauptet, ich sei Sozialist. Ich wäre vehement für Gleichheit und Gerechtigkeit eingetreten und hätte gar nicht realisiert, dass ich überhaupt nicht in der Position bin. Ich hätte gar nichts verändern können. Bei der Diskussion um Gleichheit und Gerechtigkeit liegt unser Fokus auf dem vollkommen falschen Bereich. Es geht nicht um die Welt da draußen. Es geht nicht darum, wie viel Geld jemand hat. Es geht um deine Individualität. Es geht um deine Besonderheit. Und mit der Forderung nach Gleichheit und Gerechtigkeit bekämpfst du beides. An der Oberfläche betrachtet, könnte man sagen: »Als ich arm war, war ich Sozialist. Und seit ich reich bin, bin ich Kapitalist.« Aber das ist eben tatsächlich nur die Oberfläche. Selbst wenn ich kein Geld hätte, ich würde mir keine Gleichheit und Gerechtigkeit mehr wünschen, weil dieser Wunsch ein elementarer Fehler in unserem System ist. Nichts versaut uns so sehr wie die Idee, dass andere für unser Glück zuständig sind. Und nichts versaut uns so sehr wie die Idee, dass uns Geld glücklich machen würde. Die Befreiung aus diesem Dilemma ist einfach, wenn du es zugeben kannst. Dann gibst du dir selbst gegenüber zu: »Stimmt. Ich bin gar nicht für Gleichheit und Gerechtigkeit. Ich bin neidisch.« Fühl diesen Neid im Körper, statt darüber nachzudenken! Nur dort ist deine Aufmerksamkeit richtig aufgehoben. Wenn du darüber nachdenkst, wie du die anderen oder dich verändern könntest, erreichst du nichts. Wenn du die Körperempfindung fühlst, die auftaucht, wenn du neidisch bist, integrierst du sie und heilst damit. Du wirst dadurch deine Individualität und Besonderheit überhaupt erst entdecken können. Das sind Werte, die sind weit jenseits von Geld und Ruhm und Anerkennung. Ignorier die Ablenkung durch den Wunsch nach Gleichheit und Gerechtigkeit und kümmer dich um den Kern davon: Deinen Neid und deine Unfähigkeit, deine Individualität zu leben!