Du kannst ein ganzes Leben leben, ohne etwas zu erfahren. Und du kannst in einem einzigen Moment das gesamte Leben erfahren. Letzteres ist echt Lebenserfahrung. Viele Menschen sind der Meinung, sie hätten Lebenserfahrung, weil sie bereits lange hier sind. Und manche sind der Meinung, sie hätten viel Lebenserfahrung, weil sie viele verschiedene Stationen erlebt haben. Viel Abwechslung kann zwar zu echter Lebenserfahrung führen, der entscheidende Punkt für Lebenserfahrung ist aber ein anderer. Er hat damit zu tun, ob du es wirklich erlebt hast, ob du es im Körper gefühlt hast oder ob du nur darüber nachgedacht hast. Solange dein Kopf jede Erfahrung kommentiert, hast du keine echte Lebenserfahrung. Du erfährst das Leben nur dann, wenn der Kopf schweigt oder wenn du zumindest deine Aufmerksamkeit nicht mehr auf den Gedanken hast, sondern auf deiner Erfahrung in deinem Körper. Bei den meisten Menschen plappert der Verstand ohne Pause. Er hat ihnen die ganze Zeit irgendetwas extrem Wichtiges zu sagen. Als ginge es um irgendetwas und als könnte er und als müsste er die Erfahrung, die du gerade machst, dringend kommentieren und ergänzen! Er kann nicht wahrhaben, dass er für eine Erfahrung nicht notwendig ist. Er wird gar nicht gebraucht.Wenn du dein Leben erfährst, ist kein Verstand notwendig. Kein einziger Gedanke kann deiner Lebenserfahrung irgendetwas hinzufügen. Denn alles, was du erlebst, erlebst du frei und vollkommen unabhängig von Gedanken. Du würdest es ja auch erleben, wenn du nicht denken würdest. Die meisten Menschen erleben das nur nie, weil die Gedanken so schnell sind, dass du gar nicht mitbekommst, dass dein Erleben frei von Gedanken war und auch immer ist.Gedanken sind für Leben und Erfahrung nicht notwendig. Vor allem aber sind sie nicht die Erfahrung. Du erlebst immer jenseits der Worte. Erst hinterher versuchst du, das Erlebte in Worte zu fassen. Und da der Verstand so schnell ist, bekommst du nicht mit, dass das hinterher ist, weil er so schnell darüber nachdenkt, dass du den Moment verpasst, in dem er noch gar nichts zu sagen hatte, weil er die Erfahrung nicht kennt.Das, was wir den Medien vorwerfen oder anderen Menschen, wie zum Beispiel Framing, macht unser Verstand die ganze Zeit. Er sucht die ganze Zeit Worte und damit Schubladen für das, was du erlebst, obwohl du es, wenn du ganz ehrlich bist, gar nicht beschreiben kannst. Aber an diesen Punkt will dich der Verstand nicht kommen lassen, denn das ist der Punkt, an dem er verzweifelt. Er will sich doch so gerne mitteilen und er will doch, dass du dich mitteilst und er will alles einordnen können. Wenn er das nicht schafft, fühlt er sich verloren und will dringend seine Sicherheit zurück. So kannst du dein Leben nie wirklich erfahren.Erst wenn die Gedanken anhalten, entsteht echte Lebenserfahrung.