Wenn du zwei spirituelle Lehrer miteinander vergleichst, nimmst du beiden ihre Wirkung. Der Vergleich mit anderen nimmt jedem Menschen seine Wirkung und mit dem Vergleich von Meinungen verhält es sich genauso. Menschen und Meinungen sind nicht vergleichbar. Das ist eigentlich auch offensichtlich, denn der eine ist ja nicht der andere. Und die andere Meinung wäre ja keine andere, wenn sie die gleiche wäre wie die eine.Was du dagegen entscheiden kannst, ist, wen du gern hast, auch wen du lieber magst, wen du gar nicht magst und welche Meinungen dir sympathisch sind und welche Meinungen du selbst vertreten möchtest und natürlich auch, welche Meinungen du auf gar keinen Fall vertreten willst. Aber du kannst nicht sagen, das eine ist besser oder richtiger als das andere. Und bei Lehrern ist es genauso.Ein Vergleich versucht nämlich das Unmögliche. Mit einem Vergleich versuchst du, die beiden zu vermischen und zusammenzubringen, ihre Lehre zu vereinheitlichen oder bestimmte Bestandteile ihrer Lehre als falsch und andere als richtig hinzustellen. Die Lehrer gibt es aber nur als Gesamtpaket mit all ihren Widersprüchen. Und wir vergleichen sie nur deshalb, weil wir damit nicht umgehen wollen. Wir wollen einen Einheitsbrei. Wir wollen nicht das Einmalige, das Besondere, sondern wir wollen einen Mischmasch. Wir wollen das, was überall gut und unwidersprochen ankommt. Dabei realisieren wir viel zu spät, dass es das nicht gibt.Das ist auch der Grund, warum sich gute Lehrer weder an die öffentliche Meinung noch an deine Meinung anpassen. Selbstverständlich gestehen dir gute Lehrer aber auch deine eigene Meinung zu. Sie wollen dich gar nicht verändern, denn die guten Lehrer vergleichen dich nicht mit anderen und sie erwarten ja auch gar nichts von dir. Sie wollen noch nicht einmal deine Zustimmung, denn die brauchen sie nicht. Sie vergleichen nämlich nicht mehr und damit vergleichen sie auch sich nicht mehr mit anderen.Selbstverständlich können sie noch Vorlieben haben, aber sie haben in sich keinen Kampf der Meinungen mehr. Denn falls es in ihnen kämpft, sind sie bereit, alles zu fühlen. Sie brauchen dazu aber nicht durch die Gegend laufen und auswendig gelernte Sätze sagen wie: »Wir sind alle einzigartig und unvergleichlich.« Vielleicht sagen sie es zwischendurch, aber sie leben es vor allem tatsächlich. Und das ist ja ein Prozess, den unaufmerksame Menschen gar nicht mitbekommen. Und unaufmerksam sind wir dann, wenn wir vergleichen. Denn dann können wir uns auf keinen der beiden konzentrieren.Und für deinen Verstand gilt natürlich das Gleiche. Denn selbst wenn du zwei Lehrer nicht vergleichst, passiert oft etwas anderes. Du vergleichst das, was der Lehrer sagt, mit dem, was in dir ist. Und wenn du dort etwas findest, was dazu führt, dass du dich nicht gut fühlst, dann bist du eben nicht bereit, das Gefühl zu fühlen, sondern du bist der Meinung, du musst dem Lehrer dringend widersprechen.Und durch diesen Mechanismus in dir merkst du gar nicht, dass der Lehrer auf einer ganz anderen Ebene arbeitet. Da du so bist und es nicht mitbekommst, dass es andere gibt, die nicht so sind, projizierst du es aber auf ihn. Du gehst unausgesprochen, vollkommen selbstverständlich und auch vollkommen unbewusst davon aus, dass der Lehrer die gleiche Motivation hat wie du. Du gehst auch davon aus, dass er die gleichen Fehler und Schwächen hat wie du.All das macht dein Verstand in dir. Der Verstand kann nur durch den Vergleich existieren. Er braucht sich gegenseitig widersprechende Positionen, um überhaupt am Leben gehalten zu werden. Würdest du nicht mehr an die Gegenposition denken, wäre dein Verstand ganz schnell sprachlos und damit machtlos.Und genau das ist der Effekt von Hingabe an einen Lehrer, ohne ihn mit einem anderen Lehrer zu vergleichen.